Frierend, aber weitgehend unverletzt: Weitere Skibergsteiger graben komplett Verschütteten aus – zweiter Mann steckt bis zu den Oberschenkeln im Schnee fest. Nachtrag: Polizeibericht. In den Nachbarlandkreisen TS und RO ging ebenfalls eine Lawine ab, wobei ein 30-Jähriger im Landkreis Traunstein verstarb.
Am Sonntagvormittag gegen 10.35 Uhr sind zwei einheimische Skitourengeher am Zwiesel (Chiemgauer Alpen) in rund 1.550 Metern Höhe zwischen der Alm und dem Gipfel beim Aufstieg von einer Lawine erfasst und verschüttet worden; einer der Männer komplett, der Zweite bis zu den Oberschenkeln. Weitere Skibergsteiger schafften es, den komplett Verschütteten, der von den Schneemassen gegen einen Baum gedrückt worden war, rasch zu orten und auszugraben. Beide Männer kamen weitgehend unverletzt davon, froren aber.
Die Lawine hatte nach Angaben der Zeugen vor Ort eine Breite von rund 25 bis 30 Metern und eine Anrisshöhe von etwa 30 Zentimetern. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben, dass der einheimische Skibergsteiger zunächst alleine oberhalb der Zwieselalm unterwegs war; als er durch eine Rinne in Richtung Zennokopf ging, wurde er von einem Schneebrett aus einem Steilhang rechts der Rinne erfasst, rund 30 Meter mitgerissen, gegen einen Baum gedrückt und verschüttet, wobei die eingeschneiten Äste den Aufprall abdämpften und sein Arm an die Oberfläche ragte, sodass er ein wenig atmen konnte. Laut Polizei kann nicht genau geklärt werden, ob er das Brett, dass etwa 30 Meter oberhalb der Spur abgebrochen war, selbst ausgelöst hatte, oder ob es sich um eine Selbstauslösung aufgrund der erheblichen Lawinengefahr (Stufe 3) handelte. Ein zweiter einheimischer Skibergsteiger, der sich kurz hinter dem ersten Tourengeher befand, wurde von der Lawine ebenfalls noch erfasst, aber nur bis zu den Oberschenkeln eingegraben; sein Oberkörper blieb frei, so dass er gleich einen Notruf absetzen konnte.
Die Leitstelle Traunstein schickte sofort ein Großaufgebot an Einsatzkräften los, darunter die Bergwachten Bad Reichenhall, Freilassing, Teisendorf-Anger und Ramsau, vier Bergwacht-Notärzte, die Lawinen- und Suchhundestaffel der Bergwacht Region Chiemgau, zwei All-Terrain-Vehicles (ATV) und den Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“. Der Pilot nahm beim Anflug in Anger ein Suchhundeteam der Bergwacht auf und versuchte dann, die Einsatzstelle zu erreichen, musste aber aufgrund der sehr schlechten Sicht im Schneesturm in rund 1.000 Metern Höhe abbrechen und landete in der Reichenhaller Kaserne – weitere Rettungsflüge waren aufgrund des Schneesturms nicht mehr möglich. 25 Einsatzkräfte der Bergwacht fuhren bei starkem Schneefall über Weißbach an der Alpenstraße zum Jochberg und stiegen von dort aus mit Tourenskiern und Material zu Fuß in Richtung der Unfallstelle auf. Die Alpine Einsatzgruppe (AEG) der Polizei war mit mehreren Suchhundeteams und einem Bergführer unterwegs, der den Hergang aufnahm.
Die beiden Verschütteten hatten sehr großes Glück, da eine weitere Gruppe von Skibergsteigern nach nur kurzer Zeit am Unfallort eintraf und beide innerhalb weniger Minuten ausgraben konnte. Nach erster Einschätzung blieben sie weitgehend unverletzt, froren aber. Beide konnten in Begleitung noch selbst bis zum Listsee und zum Jochberg abfahren, wo sie jeweils von einem Bergwacht-Notarzt in Empfang genommen und untersucht wurden. Die Bergwacht brachte beide Patienten und die Ersthelfer zur Bergrettungswache.
Beide Männer sind nach Angaben der Polizei sehr erfahrene Bergsteiger und waren vollständig mit einer kompletten Lawinen-Notfall-Ausrüstung ausgestattet. „Trotzdem hatten sie unglaubliches Glück, dass die Kameradenrettung durch Ersthelfer so rasch anlief – da keine Rettungsflüge möglich waren und die Bergwacht zu Fuß aufsteigen musste, wären sie ohne Ersthelfer nicht so glimpflich davongekommen“, erklärt Bergwacht-Pressesprecher Marcus Goebel.
Zur Unglückszeit herrschte heftiger Schneefall, wodurch die Straßen teilweise komplett schneebedeckt waren. Die Rettungsfahrzeuge der Bergwacht sind zwar alle mit Allradantrieb ausgerüstet, jedoch ist es bei den schlechten Straßen- und Lichtverhältnissen auch für die Einsatzkräfte schwierig, im Straßenverkehr zügig durchzukommen. Ab der Abzweigung Jochberg in Weißbach an der Alpenstraße herrschte eine geschlossene Schneedecke auf der Fahrbahn, sodass separat noch der Räumdienst für die Jochbergstraße angefordert wurde, damit weitere Einsatzkräfte mit zusätzlicher Ausrüstung leichter anfahren konnten. Goebel: „Durch die schlechten Wetterbedingungen und Straßenverhältnisse verzögerte sich der gesamte Ablauf, wobei der Einsatz rund zweieinhalb Stunden dauerte.“
Parallel zum Reichenhaller Lawineneinsatz am Zwiesel wurde um kurz nach 12 Uhr die Bergwacht Schleching zu einem Lawineneinsatz am Geigelstein alarmiert. Die beim Reichenhaller Einsatz nicht mehr erforderlichen Lawinenhundeführer und Bergwacht-Notärzte rückten vom Jochbergparkplatz aus direkt nach Schleching ab. Der dort verschüttete Skitourengeher wurde unter laufender Wiederbelebung mit dem Rettungshubschrauber nach Traunstein geflogen. Beide Lawinenunfälle ereigneten sich bei Lawinenwarnstufe 3 (erheblich). „Wir bitten alle Winterbergsteiger zur eigenen Sicherheit bei solchen Verhältnissen um eine bedachte Routenwahl oder auf eine Ski- oder Schneeschuhtour im freien Gelände ganz zu verzichten“, sagt Goebel.
Gegen 10:35 Uhr ging bei der Rettungsleitstelle in Traunstein ein Notruf über einen Lawinenunfall ein. Oberhalb der Zwieselalm in den Reichenhaller Bergen sollen zwei Personen von einer Lawine verschüttet worden sein. Zwei Bad Reichenhaller, 45 und 42 Jahre, gingen zuvor unabhängig voneinander eine Skitour Richtung Zennokopf. Als sich einer der beiden in einer Rinne neben einem Steilhang befand, löste er ein Schneebrett aus, welches ihn ca. 30 Meter mitriss und völlig verschüttete. Der zweite Bad Reichenhaller geriet ebenfalls in die Lawine, wurde jedoch nur teilweise verschüttet und konnte sich selbstständig befreien. Er setzte unmittelbar darauf einen Notruf ab und konnte den Verschütteten, zusammen mit weiteren Skibergsteigern, innerhalb von wenigen Minuten aus den Schneemassen befreien. Beide Männer blieben, bis auf starke Unterkühlungen, bei dem Unfall unverletzt.
Ein 30-Jähriger aus Oberwiesenthal unternahm am Vormittag eine Skitour im Geigelsteingebiet (Lkr. Traunstein). An der sogenannten Wirtsalm traf er auf einen 57-jähriger Münchner und setzte mit ihm gemeinsam die Tour in Richtung Geigelstein fort. Gegen 12:00 Uhr beschlossen beide Männer am „Sattel“ Richtung Südosten über einen steilen Rücken abzufahren. Der 57-Jährige fuhr voraus und bemerkte kurze Zeit später, dass er von hinten von einer Lawine erfasst wurde. Er schaffte es jedoch, an der Oberfläche zu bleiben und konnte sich selbst aus der Lawine befreien. Da er seinen Begleiter nicht mehr sehen konnte, suchte er diesen mit seinem Lawinenverschüttungssuchgerät (LVS-Gerät).
Kurz darauf konnte er den 30-Jährigen finden und aus dem Schnee graben. Da dieser nicht mehr ansprechbar war, begann er unmittelbar mit der Reanimation. Hier wurde er von hinzukommenden Tourengehern unterstützt. Infolge der Witterung war ein Hubschrauberflug anfangs nicht möglich. Einsatz- und Rettungskräfte mussten über das Tal, zum Teil mit Pistenraupen, zur Unfallstelle gelangen. Die Reanimationsmaßnahmen wurden durch die Ersthelfer bis zum Eintreffen des Notarztes aufrechterhalten. Der Verunglückte erlag gegen 17:45 Uhr im Krankenhaus seinen Verletzungen.
Ein 35-jähriger Münchner war gegen 13:45 Uhr mit seiner Frau und seinem Schwager auf Skitour an der Brünnsteinschanze (Lkr. Rosenheim). Bei der Abfahrt auf der Nordost-Seite erfasste ihn auf 1143 Höhenmetern, nach dem Einfahren in eine steile Waldschneise, ein Schneebrett. Dabei wurde er ca. 200 Meter mitgerissen und ca. einen Meter tief verschüttet. Gleich darauf konnte er jedoch von seinem Schwager mittels LVS-Gerät geortet und ausgegraben werden.
Die Bergwacht übernahm die Erstversorgung des 35-Jährigen, welcher anschließend in ein Krankenhaus verbracht wurde. Er erlitt durch den Unfall mehrere Frakturen und eine Unterkühlung.
An den drei Lawineneinsätzen am 21.01.2018 waren mehrere Polizei- und Rettungshubschrauber - zum Teil auch aus Österreich - beteiligt. Etliche Mann der umliegenden Bergwachten und viele Beamte der Alpinen Einsatzgruppe des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd - darunter mehrere Hundeführer der Lawinenhundestaffel waren im Einsatz.
Die Lawinenzentrale warnt morgen vor einer großen Lawinengefahr - Stufe 4. Berg- und Skitouren sind daher nur in sicheren Gebieten erlaubt. Weitere Informationen gibt es unter: www.lawinenwarndienst-bayern.de
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