Aufgrund der günstigen Wetterlage konnten die Suchmaßnahmen nach dem seit vergangenen Samstag vermissten 24-jährigen Bergsteiger am Hochkalter gestern und heute (Donnerstag, 22.09.2022) noch einmal intensiviert werden. Trotz des Einsatzes einer Vielzahl Ehrenamtlicher der örtlichen Bergwacht sowie mehrerer Alpinbergführer der Polizei und eines Polizeihubschraubers konnte der Verunglückte bis dato nicht lokalisiert werden. Nachtrag: BRK-Bericht
Seit vergangenem Samstag, 17.09.2022, wird ein 24-jähriger Bergsteiger aus Niedersachsen am Hochkalter nahe Ramsau bei Berchtesgaden vermisst. Die Bergwacht stand mit dem offensichtlich schwer verletzten Mann, der selbst einen Notruf abgesetzt hatte, zunächst noch in Kontakt, der wenig später aber abriss. Zur Unfallzeit herrschten auf 2500 Metern Höhe Seehöhe extrem schlechte Wetterbedingungen mit starkem Regen, der schnell in Schnee überging.
Aufgrund der ungünstigen Wetterlage der vergangenen Tage, konnten die Suchmaßnahmen erst gestern, Mittwoch 21.09.2022, intensiviert werden. Am Berg herrschte die Tage zuvor starker Schneefall und eisiger Wind, weshalb im vermuteten Gebiet eine Suche nach dem Verunglückten sowohl terrestrisch als auch aus der Luft unmöglich und für die Einsatzkräfte selbst mit einer hohen Lebensgefahr verbunden war.
Gestern kamen dann zwei Polizeihubschrauber zum Einsatz. Auch ein Kampfflugzeug der Bundeswehr wurde eingesetzt, um nähere Erkenntnisse zum Aufenthaltsort des Vermissten in der, mehrere hundert Meter hohen Felswand zu erlangen. Die Suchmannschaften von Bergwacht und Polizei setzten dabei auch eine sogenannte Recco-Boje ein, um eventuelle Geräte mit verbauten Halbleitern zu orten und so den Vermissten lokalisieren zu können.
Diese Recco-Boje führte schließlich gestern Mittag zum Auffinden des Rucksacks des Vermissten, wodurch der Suchbereich erneut eingegrenzt werden konnte. Aus den gestern gewonnenen Erkenntnissen wurden die Suchmaßnahmen am heutigen Donnerstag nochmals konzentriert. Speziell die terrestrische Suche in der Felswand rückte dabei in den Vordergrund. Hierbei unterstützte über den ganzen Tag ein Hubschrauber der Polizeihubschrauberstaffel Bayern aus der Luft.
Mehrere Teams aus Bergführern wurden an gezielt auserkorenen Punkten in der steil abfallenden und tief schneebedeckten Felswand abgesetzt, um im dortigen Umkreis gezielte Suchen durchführen zu können. Auch die Recco-Boje kam erneut zum Einsatz.
In den Nachmittagsstunden konnte über diese Boje ein weiteres Signal aus der Wand empfangen werden. Die nähere Absuche durch ein, durch den Polizeihubschrauber dorthin geflogenes Bergführer-Team, verlief allerdings ergebnislos.
Zum jetzigen Zeitpunkt bleibt der 24-jährige trotz des massiven Sucheinsatzes vermisst. Seitens der örtlichen Bergwacht und der Polizei wurde seit dem Unfalltag alles Menschenmögliche unternommen, um den Vermissten noch lebend zu finden. Hierzu wurden insbesondere durch die Ehrenamtlichen der Bergwacht am Berg und im Tal sowie die hauptamtlichen Alpinbergführer des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd weit über tausend Einsatzstunden abgeleistet. Aufgrund der Gesamtumstände war der Einsatz in den vergangenen Tagen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch enorm belastend.
Unter den derzeitigen Umständen, insbesondere aufgrund der Schneelage im eingegrenzten Gebiet, sind weitere Suchmaßnahmen momentan nicht zielführend. Bergwacht und Polizei behalten die Lage am Berg jedoch genau im Auge, um bei einer Änderung der Witterung hin zu Tauwetter in der betroffenen Höhe, schnell die Suche wieder aufnehmen zu können.
Bergwacht und Polizei haben auch am Donnerstag ganztags das bessere Flugwetter genutzt und weiter nach dem seit vergangenem Samstag am Hochkalter vermissten 24-Jährigen gesucht, die Suche aber nun aufgrund des windverfrachteten und damit teilweise bis zu drei Meter hohen Schnees am Berg vorerst unterbrochen, bis eventuell bei milderen Temperaturen auch in den Höhenlagen vor dem Winter nochmals Tauwetter einsetzt. Von 8 bis 18 Uhr waren am Donnerstag 23 Bergretter aus Ramsau (19), Traunstein (2), Bad Reichenhall (1) und von der Regionalleitung (1) zusammen mit vier Polizeibergführern der Alpinen Einsatzgruppe (AEG) und der Besatzung des Polizeihubschraubers „Edelweiß 2“ im Einsatz, wobei sie zunächst die Rinne ober- und unterhalb des am Mittwochnachmittag auf der Westseite unterhalb des Gipfelgrats georteten und geborgenen Rucksacks absuchten und am späten Nachmittag noch ein weiteres Recco-Signal mit Einsatzkräften im Gelände abklärten.
Der 24-Jährige aus Niedersachsen wird seit vergangenem Samstag am Hochkalter vermisst. Die Bergwacht stand mit dem offensichtlich abgerutschten jungen Mann, der selbst einen Notruf abgesetzt hatte, zunächst noch über Handy in Kontakt, der am Abend dann aber abriss. Die Bergwachten Ramsau und Berchtesgaden schafften es trotz der extremen Bedingungen mit Eis, Schnee und Sturm noch am Abend von der West- und der Ostseite des Bergs bis zum Gipfelgrat aufzusteigen, hatten im Schneesturm aber keine Chance, des 24-Jährigen zu sehen oder zu hören. Die weitere Suche am Sonntag zu Fuß war erfolglos; Suchflüge fanden während kurzzeitiger Wetterfenster statt und dann am Mittwoch und Donnerstag bei besserem Wetter ganztags, wobei neben Drohnen von Polizei und Bergwacht auch das so genannte Recco SAR System als Boje am Polizeihubschrauber verwendet wurde, mit dem unter anderem auch Halbleiter aus elektronischen Geräten wie Handys und Laptops geortet werden können; am Mittwochnachmittag war auch ein Eurofighter der Bundeswehr mit spezieller Ortungstechnik unterwegs, um vom Einsatzgebiet hochauflösende Fotos zu machen. Per Recco wurde zunächst am Mittwochvormittag der inaktive Funksender eines Wetterballons und später dann der Rucksack des Vermissten geortet und von Einsatzkräften im Gelände im Schnee sondiert und ausgegraben.
Sechs Einsatzkräfte von Bergwacht und Polizei suchten dann am Donnerstagvormittag seilgesichert mit Eisgerät und Lawinen-Notfallausrüstung die steile Rinne und die angrenzenden Wände ober und unterhalb des Rucksack-Fundorts und eines vom Vermissten noch übermittelten Standorts in 2.480 Metern Höhe ab. Die Besatzung des Polizeihubschraubers „Edelweiß 2“ setzte in insgesamt drei Winden-Aufzügen zwischen 9 und 10.40 Uhr fünf Bergretter und einen Polizeibergführer bei zeitweise anspruchsvollen Flugbedingungen per Winde im Gelände ab und flog zwischenzeitlich ab 9.45 Uhr immer wieder mit der Recco-Boje, wobei der Recco-Operator der Bergwacht im Heli gegen 15.45 Uhr ein weiteres Signal in 2.530 Metern Höhe ortete. Wieder wurden zwei Bergretter mit der Winde im Gelände abgesetzt, die mit einem Handgerät suchten und den Umkreis sondierten, aber bis 16.45 Uhr nichts finden konnten, so dass sie gegen 17.15 Uhr wieder ausgeflogen wurden.
Da Sonneneinstrahlung und Erwärmung die Steinschlag- und Lawinen-Gefahr konkret erhöhten und bereits erste kleinere Steine und Schneelawinen abgegangen waren, flog der Heli ab 12.45 Uhr die sechs Einsatzkräfte aus der Rinne rund um den Rucksack-Fundort zurück ins Tal. Danach suchten zwei Bergretter ab 14.15 Uhr per Fernglas vom Hubschrauber aus die Rinne und den Wandfuß optisch ab.
Um den Funkschatten im Ofental auszugleichen, bauten die Bergretter wieder ein Gateway im Klausbachtal auf. Die Bergwacht Traunstein tauschte den durch die vielen Flüge mittlerweile ziemlichen leeren Kerosinanhänger aus Berchtesgaden und hatte zuvor einen der beiden Anhänger zum Nachfüllen zur Bundespolizei-Fliegerstaffel nach Oberschleißheim gefahren; voraussichtlich am Freitag muss sie den anderen Anhänger auch wieder nach Befüllen fahren.
Die Polizei gab am Donnerstagabend bekannt: „Zum jetzigen Zeitpunkt bleibt der 24-Jährige trotz des massiven Sucheinsatzes vermisst. Seitens der örtlichen Bergwacht und der Polizei wurde seit dem Unfalltag alles Menschenmögliche unternommen, um den Vermissten noch lebend zu finden. Hierzu wurden insbesondere durch die Ehrenamtlichen der Bergwacht am Berg und im Tal sowie die hauptamtlichen Alpinbergführer des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd weit über tausend Einsatzstunden abgeleistet. Aufgrund der Gesamtumstände war der Einsatz in den vergangenen Tagen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch enorm belastend.“
Unter den derzeitigen Umständen, insbesondere aufgrund der Schneelage im eingegrenzten Gebiet, sind weitere Suchmaßnahmen momentan ohne konkrete Anhaltspunkte nicht zielführend. Bergwacht und Polizei behalten die Lage am Berg jedoch genau im Auge und werden wieder suchen, wenn der Schnee eventuell bei milderen Temperaturen wieder wegtaut.
Bereitschaftsleiter Thomas Meeß und Einsatzleiter Michael Renner danken allen beteiligten Organisationen für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung während des schwierigen sechstägigen Einsatzes, darunter die benachbarten Bergwachten aus der Region Chiemgau, die AEG der Polizei, die Heli-Besatzungen von „Christoph 14“, der Polizeihubschrauberstaffel Bayern und der Bundespolizei-Fliegergruppe, die Luftwaffe der Bundeswehr und die heimischen Gastwirte vom Wirtshaus Wachterl, vom Wirtshaus Waldquelle und vom Gasthaus Alpenhof, die die vielen örtlichen aber auch überregionalen Einsatzkräfte über Tage hinweg verköstigt haben.
Chronologie:
* Aufwändige Vermisstensuche nach abgängigen Bergsteiger im Bereich Hochkalter
* Aktueller Stand zur Vermisstensuche am Hochkalter
* Einsatzkräfte suchen am Hochkalter mit Heli & Recco-Boje nach vermisstem 24-Jährigen
* Bundeswehr unterstützt mit Eurofighter die Suche am Hochkalter
* Ramsauer Bergretter suchen am Hochkalter Steilgelände rund um den Rucksack-Fundort ab
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