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Bergwacht Ramsau bereitet sich am Watzmann auf komplexes Lawinenszenario vor

Ehrenamtliche Einsatzkräfte bewähren sich wenige Tage später an der Hocheisspitze und graben Verschütteten nach nur wenigen Minuten aus.

Vor einer Woche war die Bergwacht Ramsau bei einem großen Lawinenabgang im Hocheiskar gefordert, bei dem die beiden ersten vom Heli abgesetzten einheimischen Bergretter und ihr Lawinenhund den verschütteten 39-Jährigen trotz der gewaltigen Ausmaße der Lawine in einer Rekordzeit von nur wenigen Minuten orten, ansondieren und seinen rund einen Meter tief verschütteten Kopf freilegen konnten; trotz der raschen Hilfe durch die Einsatzkräfte konnte der Notarzt aber nur noch den Tod des von den Schneemassen rund 400 Höhenmeter durch felsdurchsetztes Steilgelände bis ins Hintereiskar hinabgespülten Skibergsteigers feststellen.

Bedingt durch das steile Gelände und die gewaltigen Ausmaße der Lawine scheiterte beim Unfall an der Hocheisspitze die sonst durch den Zeitvorsprung immer wieder lebensrettende Kameradenrettung, da der Begleiter den weit entfernten Verschütteten mit seinem Suchgerät nicht einmal orten konnte. Damit die Einsatzkräfte im Ernstfall schnell und effektiv helfen können, finden regelmäßige Trainings und Übungen statt; zuletzt wenige Tage vor dem Einsatz am Watzmann, allerdings unter erschwerten Bedingungen bei Dunkelheit und schlechter Sicht, so dass kein Heli fliegen und die Retter mit Fahrzeugen anfahren und zu Fuß mit Skiern aufsteigen mussten. Trotz des wenigen Schnees sollte die Übung möglichst realistisch sein, wobei die Bergwacht ihre Einsatztaktik mit Ablauf und Organisation des komplexen Szenarios durchspielen und optimieren wollte. Bedingt durch die Pandemie mussten alle Teilnehmer einen Coronaschnelltest absolvieren, wobei die Bergwacht Bayern aktuell für Übungen 2G+ vorschreibt.

„Das Szenario war mit fünf betroffenen Bergsteigern, darunter drei Verschütteten, einem leicht verletzten Kind und einer unverletzten Melderin sehr anspruchsvoll konstruiert“, resümiert Ausbildungsleiter Lukas Wurm. „Gerade die Koordination aller Kräfte und auch überörtlichen Spezialisten wie Hundeführer müssen immer wieder realistisch geübt werden, damit Schwachstellen nicht erst im Einsatz auffallen und jeder auch unter Stress seine Stärken optimal einsetzen kann.“ Bedingt durch Dunkelheit und Bewölkung war an einen Heli-Einsatz nicht zu denken, weshalb die Retter Personal und Ausrüstung nur im Shuttleverkehr mit ihrem All-Terrain-Vehicle (ATV) zum Einsatzort bringen konnten; das im Winter mit Raupen ausgestattete Spezialüberschneefahrzeug ist im Winter oftmals die einzige Möglichkeit, den Einsatzkräften den zeit- und kräfteintensiven Aufstieg zu verkürzen und zu erleichtern.

Wegen des ausgedehnten Schadensraums musste der Einsatzleiter mehrere Abschnittsleiter einteilen, die die verfügbaren Kräfte im Tal, während des Transports mit Pinzgauer und dem ATV, sowie letztlich auf dem Lawinenfeld koordinierten. Alle Informationen liefen, wie im Echteinsatz auch, beim Einsatzleiter in der Bergrettungswache zusammen. Ein fiktiver Patient konnte nur leblos aus der Lawine befreit werden und musste vor Ort wiederbelebt werden. Dazu forderte der Inzeller Bergwachtnotarzt eine mechanische Wiederbelebungshilfe an; dieses System übernimmt vollautomatisch die Herzdruckmassage und entlastet so die eingesetzten Kräfte vor Ort ganz erheblich, da auch während des oft anspruchsvollen Transports, etwa beim Ablassen oder Aufziehen des Patienten am Seil, die Wiederbelebung nicht unterbrochen werden muss. Zum Abschluss suchten die Ehrenamtlichen das Lawinenfeld mit einem Hund und einem Recco-Halbleiter-Suchgerät ab, das unter anderem Halbleiter aufspüren kann, wie sie in Handys verbaut sind.

Die Übung dauerte über drei Stunden, wobei sich wie bei einer echten Lawine auch überörtliche Kräfte beteiligten und ihre Zusammenarbeit mit den Ramsauern weiter optimierten: Die Nachbarbereitschaft Berchtesgaden, die als nächstgelegene nachalarmierte Einheit einen weiteren Trupp Bergretter stellte, der Notarzt der Bergwacht Inzell und eine Suchhundeteam der Lawinenhundestaffel Chiemgau. Die Bergwachten Marktschellenberg und Bad Reichenhall unterstützten mit erfahrenen Einsatzleitern und werteten die Übung aus; die Wasserwacht Berchtesgaden erfüllte die Rolle der Übungsleitstelle Traunstein mit Leben.

All die Abläufe, die während der Lawinenübung effektiv trainiert werden konnten, musste die Bergwacht Ramsau dann am vergangenen Dienstag beim tödlichen Lawinenunglück an der Hocheisspitze unter hohem Zeitdruck abrufen. „Die Koordination des Einsatzes und die Arbeit auf der Lawine haben trotz der schwierigen Umstände echt gut funktioniert. Wir bedauern es sehr, dass wir trotz des schnellen Einsatzes das Leben des Mannes nicht mehr retten konnten“, sagt der Ramsauer Bereitschaftsleiter Thomas Meeß. „Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt den Angehörigen des Verstorbenen und auch dem Begleiter, der diese Eindrücke verarbeiten muss!“

red/Pressemitteilung BRK BGL
Bilder © Hans Klein, Bergwacht Ramsau
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