untersberger.info - Logo

Maßnahmen gegen das Bienensterben – Stadtgärtnerei legt Bienenwiese am Pulverturm an

Die Bäume waren eine Spende des Rotary-Clubs, der pro Mitglied einen Baum pflanzen will. Die Stadtgärtnerei plant außerdem noch weitere Projekte und auch die Bürger sind gefordert.

Wer einen Spaziergang zum Reichenhaller Pulverturm am Gruttenstein unternimmt, dem dürfte eine frisch gepflanzte Obstbaumreihe ins Auge stechen, die sich in einer neu angesäten Bienenwiese befindet. Diese Streuobstwiese ist ein weiterer Beitrag der Reichenhaller Stadtgärtner zu mehr Bienenfreundlichkeit und zur Förderung des Artenschutzes und der Artenvielfalt.

Zwei Birnbäume und vier Apfelbäume wurden auf dem breiten Streifen entlang der in Sanierung befindlichen Stadtmauer angepflanzt. Ein siebter Baum ist nun hinzugekommen. Dieser Baum, ein Klarapfelbaum, ist die Vollendung der Baumreihe am Pulverturm und gleichzeitig der Startschuss für eine Baumpflanzaktion, die insgesamt 55 Bäume umfasst. Gespendet wurden diese, ebenso wie auch die Samenmischung für die Bienenwiese, vom Rotary-Club Bad Reichenhall. Präsident Dr. Wolfram Turnwald, Sekretär Tobias Kurz, Past-Präsident Christian Herkommer und Past-Sekretär Matthias Roth haben nun gemeinsam mit Reichenhalls Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner und Umweltreferent Dr. Wolf Guglhör unter fachgerechter Anleitung von Stadtgartenmeister Martin Haberlander den Apfelbaum am Pulverturm gepflanzt.

Den Hintergrund der Baumspende-Aktion erklärte Präsident Dr. Turnwald mit dem Aufruf des Rotary-Weltpräsidenten Ian Riseley zu Beginn seines Amtsjahres, alle Mitglieder mögen einen Baum pflanzen, als Zeichen für Umweltschutz und Maßnahme gegen den globalen Klimawandel. „Diesem Ansinnen kamen natürlich auch die Rotarier in Bad Reichenhall gerne nach, und so wird für jedes Mitglied ein Baum gepflanzt, um etwas Gutes und Nachhaltiges zu tun für die Zukunft und die nächste Generation“, führte Turnwald aus.
Ausgewählt wurden bewusst Halbstamm-Bäume, die nicht besonders groß werden, um die Sicht auf den Pulvertum nicht zu versperren. Die weiteren Bäume (Rosskastanien, Feldahorn, Vogelkirschen, Wildapfel, Sommer- und Winterlinden sowie Edelkastanien) werden über das Stadtgebiet verteilt einen Platz finden, so z.B. in städtischen Schulen und Kindergärten und am Waldstück bei den Heimgärten gegenüber der Kaserne, wie Haberlander bekannt gab. „Unsere Bienenwiese soll ein lebendiges und buntes Bild am Pulverturm ergeben sowie für Schmetterlinge, Bienen, Hummeln, Falter und Käfer eine nektar- und pollenspendende Nahrungsquelle bieten. Es ist ein idealer Flor für frühe Insekten, da die Bienenwiese im Mai nicht gemäht wird“, erklärte der Stadtgartenmeister. Die sehr bunte Blühmischung enthalte über 40 von ein- bis mehrjährigen Arten, z.B. Bienenweide, Borretsch, Natternkopf, Drachenkopf, Buschwinden, Goldmohn, roter und blauer Lein, Schleierkraut, Klatschmohn, Kornblumen, Ringelblumen, Schmuckkörbchen, Kapmargeriten, Sonnenblumen, Reseden, Bartnelken, Sonnenliebe u.a.

Oberbürgermeister Dr. Lackner bedankte sich herzlich im Namen der gesamten Stadt bei den Mitgliedern des Rotary-Clubs für ihre großzügige Baumspende, ebenso bei den Mitarbeitern der Stadtgärtnerei für ihren großen Einsatz: „Bienenfreundlichkeit beginnt mit einer Bienenwiese. Sie haben eine tolle Aktion angeschoben, herzlichen Dank dafür!“ Der Rathauschef ging in diesem Zusammenhang auch lobend auf die übrigen Maßnahmen der Stadtgärtner zu mehr Bienenfreundlichkeit ein.
Wie bereits Anfang des Jahres berichtet und auch auf der städtischen Homepage nachzulesen, gibt es verschiedene Projekte der Stadtgärtnerei zur Förderung des Artenschutzes und der Artenvielfalt.

Bereits vor einigen Jahren wurde die Wiesenfläche am Salinen-Kreisel durch eine Blumenwiese aufgewertet, um so gleichzeitig auch Bienen, Hummeln, Schmetterlingen und anderen Insekten Futter anzubieten. Und auch heuer trägt die Arbeit der Stadtgärtner wieder Blüten, lädt Menschen zum Betrachten ein und lockt mit immer wieder neuen Blumen die Insekten an. Die Bepflanzung sei Haberlander zufolge so ausgewählt worden, dass sich die Blühphase bis zum Frost fortsetzt und reichlich Nektar und Pollen für die Insektenwelt bietet. Und auch am Stachus und an der Münchner Allee ist ein buntes Blumenmeer vorzufinden. „Nicht immer sind Blumenwiesen und Bienenweiden allerdings auch Augenweiden“, gibt Haberlander zu bedenken. Ihm ist es wichtig, auch im Bewusstsein der Menschen zu verankern, dass die Wiesen schnell verblühen und dann nicht mehr so attraktiv, ja manchmal sogar etwas ungepflegt wirken. Am Ende des Jahres lasse man die Mahd zudem liegen als Samen für das nächste Jahr.
Insektenfreundliche Blühstreifen wurden auch schon vor sechs Jahren in einer breiten Schneise quer durch den Karlspark angelegt. Alleine hier blühen über 4.000 Narzissen, die schon sehr früh im Jahr mit ihrer Blütenpracht Insekten anlocken. Und auch die Kur-GmbH leistet einen wertvollen Beitrag mit dem ausladenden Blumenmeer im Kurpark.

„Mit ein paar Blühstreifen ist es nicht getan“, stellt Haberlander klar. „Aber man muss die einzelnen Maßnahmen in ihrer Gesamtheit betrachten.“ Und mögliche Maßnahmen gibt es eine ganze Reihe. Denn nicht nur mit Blumenwiesen alleine lasse sich zu Artenschutz und Artenvielfalt beitragen, mindestens genauso positiv seien Haberlader zufolge Sträucher und Bäume anzusehen. Auch hier war die Stadtgärtnerei in der Vergangenheit nicht untätig. Im Rahmen der Baumpflanzaktion 100 wurden im vergangenen Jahr bereits 100 Bäume im Reichenhaller Stadtgebiet gepflanzt. „Wir haben auch eine Vielzahl an Biotopbäumen im Stadtgebiet ausgewiesen, um den Nützlingen – auch bestimmten Bienenarten – wichtige Lebensräume zu bieten.“ Auch die vielen Pflanztröge, Blumenbeete und -rabatten in den Straßen Bad Reichenhalls tragen ihren Teil zur Artenvielfalt bei. „Das kann übrigens auch jeder Einzelne in Eigeninitiative in seinem Vorgarten tun oder durch einen blühenden Balkonblumenkasten, jeder Beitrag ist wichtig und sollte auch belohnt werden.“ Haberlander spielt damit auf den derzeit stattfindenden Blumenschmuckwettbewerb an, der jährlich von der Stadt Bad Reichenhall in Zusammenarbeit mit dem Obst- und Gartenbauverein ausgerichtet wird. Für heuer ist die Bewertung bereits abgeschlossen, angedacht ist für das kommende Jahr aber ein Sonderpreis für besondere Bienenfreundlichkeit. „Ich fände es schön, wenn in Zukunft diejenigen Hobbygärtner besonders ausgezeichnet würden, deren Bepflanzungen besonders wertvoll für Bienen sind. Denn schließlich sind beim Thema Bienensterben alle gefordert, nach dem Motto: Alle machen mit!“, so Haberlander. Muster für solche intelligenten Bienenkästen kündigt er für 2019 auf der städtischen Homepage unter dem Link „Stadtgrün“ an. „Am meisten ist erreicht, wenn Bürger und Stadt Hand in Hand gegen das Bienensterben vorgehen. Hausbesitzer können neben intelligenten Blumenkästen auch bienenfreundliche Bäume und Sträucher auf ihren Grundstücken pflanzen“, empfiehlt der Stadtgartenmeister. In Überlegung sei auch, im Gebiet gegenüber der Kaserne Bienenkästen aufstellen zu lassen, so wie dies bereits auch im Karlspark der Fall ist.

Und auch die nun angelegte Streuobstwiese am Pulverturm soll in einem weiteren Abschnitt nach Abschluss der Sanierung der Stadtmauer weiter begrünt werden, um weiterhin aktiv etwas für das Überleben der Bienen tun. „Denn jede Maßnahme zählt“, wie Haberlander betont.

red/Pressemitteilung Stadt Bad Reichenhall
Bild © Stadt Bad Reichenhall
bäume pulverturm 00

0 Kommentare

Noch keine Kommentare.
Kommentar schreiben
maximal 1000 Zeichen
Erweiterte Suche
Terminkalender
November 2018
MoDiMiDoFrSaSo
2930311234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293012
Bglwiki