Schneearmer Winter und verregnete Haupturlaubszeit: Lorenz Aschauer berichtet von weniger Einsätzen aber dennoch viel Arbeit.
Die aktuell 41 Mitglieder der Bergwacht Teisendorf-Anger waren 2014 bei 23 (2013: 35) Einsätzen gefordert, von denen erneut allein acht (2013 ebenfalls acht) im eigenen Einsatzgebiet am Teisenberg stattfanden. Bereitschaftsleiter Lorenz Aschauer, sein Stellvertreter Robert Nitzinger und Kassenwart Franz Fürmann berichteten auf der Hauptversammlung im Teisendorfer DAV-Heim von einem Jahr mit weniger Einsätzen, aber mindestens genauso viel Arbeit. Wegen des schneearmen Winters und der verregneten Haupturlaubszeit im Juli und August mussten die Ehrenamtlichen zwar weniger oft ausrücken, aufwendige und schwierige Rettungsaktionen wie beim Riesending am Untersberg oder bei mehreren Notfällen am Hochstaufen machten 2014 dennoch zu einem außergewöhnlichen und fordernden Jahr für die Bergretter.
„Am Teisenberg sind Sommer wie Winter vor allem rund um die Stoißer Alm immer mehr Menschen unterwegs, weshalb wir auch 2014 allein dort acht Einsätze absolvieren mussten“, erinnert sich Aschauer, der den anwesenden Nachbar-Bereitschaftsleitern Stefan Strecker und Siegfried Fritsch aus Bad Reichenhall und Freilassing für die kameradschaftliche Zusammenarbeit im Einsatzleitbereich Saalachtal dankte. Aschauers Frau Sabine sowie Erwin und Josef Koch engagieren sich zusätzlich zum Bergrettungsdienst im Kriseninterventionsdienst (KID) der Bergwacht und haben dabei 2014 zusammen 13 Einsätze absolviert und 62 Tage lang die KID-Telefon-Hotline der Bergwacht Bayern betreut. „Ein schwieriger und langer Einsatz war unter anderem die psychische Betreuung der Angehörigen der 28-jährigen Frau, die am 22. Juni am Pidinger Klettersteig tödlich abgestürzt war. Als Bereitschaftsleiter bin ich sehr froh, in den eigenen Reihen gleich drei so kompetente und engagierte Krisenberater zu haben“, freut sich Aschauer. Zusätzlich fanden 127 Naturschutzstreifen in den heimischen Bergen statt, die genauso wie der Auf- und Abbau des Kletterturms bei Festen vor allem von den älteren Aktiven durchgeführt wurden. „Wir sind sehr dankbar für die Leistung unserer Rentner, da viele von uns unter der Woche gar nicht von der Arbeit wegkommen“, lobte Nitzinger.
Passive Mitglieder gibt es nicht: Aktuell gehören 41 Ehrenamtliche zur Bergwacht Teisendorf-Anger, darunter 16 aktive Bergretter, vier aktive Einsatzkräfte im Pistendienst, zwölf aktiv unterstützende Helfer und neun Anwärter, darunter auch drei Neuzugänge im vergangenen Jahr – „so viele Junge gab es noch nie, seit ich dabei bin“, erinnert sich Aschauer zufrieden. Teisendorfs zweiter Bürgermeister Gernot Daxer unterstrich in seinem Grußwort auch im Namen seines ebenfalls anwesenden Amtskollegen Sylvester Enzinger aus Anger die Bedeutung der Bergwacht und lobte die gute Zusammenarbeit der Rettungskräfte in Anger und Teisendorf. Enzinger hatte 2014 einen großen Teil seiner Geldgeschenke zum runden Geburtstag an die Bergwacht gespendet. Als Dank für die das ganze Jahr über gute Bewirtung im DAV-Heim überreichte Bereitschaftsleiter Lorenz Aschauer an Resi und Helmut Koch einen Blumenstrauß. Er und sein Stellvertreter Robert Nitzinger dankten auch allen Mitgliedern für ihre geleisteten Dienste. Stefan Strecker, stellvertretender Bereitschaftsleiter der Reichenhaller Bergwacht und Leiter der Lawinenhundestaffel und Siegi Fritsch, Leiter der Bergwacht Freilassing, lobten die Teisendorfer für die gute Zusammenarbeit und ihre geleisteten Einsätze: „Ihr seid eine kleine, aber leistungsfähige Gruppe, auf die man sich voll verlassen kann!“
Aschauer berichtete mit Bildern und Texten exemplarisch vom breiten Einsatzspektrum im vergangenen Jahr: Am 18. Januar war eine Frau in der Nähe der Stoißer Alm über einen schneebedeckten Hang abgestürzt, im Juni waren die Bergretter tagelang am Untersberg an der Riesending-Höhle im Einsatz, am 22. Juni stürzte eine junge Frau im Pidinger Klettersteig am Hochstaufen tödlich ab, am 2. August mussten am Hochstaufen zunächst abseits des Goldtropfsteigs ein Bergsteiger aus einer Felswand und dann ein Vater und sein Sohn aus der Telefonleitungsrinne östlich des Pidinger Klettersteigs gerettet werden. „Eigentlich wollte ich meiner Frau an diesem Schönwetter-Tag im Garten helfen, aber daraus wurde dann nichts, da wir stundenlang gefordert waren“, erinnert sich Aschauer, der an diesem Tag auch Einsatzleiter war. Am 3. August wurde ein Mountainbiker bei einem Sturz am Teisenberg schwer verletzt.
Vor allem die Aus- und Fortbildung kostet die Ehrenamtlichen enorm viel Zeit, ist aber Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Bewältigung der oft sehr gefährlichen Einsätze: Der stellvertretende Bereitschaftsleiter Robert Nitzinger dankte in Vertretung von Ausbildungsleiter Stefan Stadler allen Referenten und Mitstreitern, berichtete von den zahlreichen Fortbildungsabenden und Übungen für die aktiven Einsatzkräfte und Anwärter und lobte vor allem Stefan Stadler: „Er ist ein echter Könner beim Klettern, Skifahren und Bergsteigen, motiviert und fördert unsere jungen Leute und ist mit ihnen auch oft privat in den Bergen unterwegs, wo er ihnen sehr viel beibringt.“
Die Bergwacht übte immer wieder auch mit ihren Partnern wie Feuerwehr, BRK-Landrettungsdienst, Polizeibergführern oder den Nachbarbereitschaften Bad Reichenhall und Freilassing. Höhepunkte waren ein Skitourenwochenende auf der Kleinen Reibn, eine Forstunfallübung mit dem Löschzug Freidling, eine Rettungsübung an der Hochstaufen-Goldtropfwand, Klettertraining für die Anwärter und ein Sommer- und ein Winter-Ausbildungswochenende auf der Teisendorfer Hütte am Predigtstuhl. Insgesamt fanden 2014 45 Ausbildungen und Übungen statt, zusätzlich ein Sanitätskurs und mehrere Trainings in kleineren Gruppen. Darüber hinaus muss jeder aktive Bergwacht-Luftretter alle 450 Tage ein Hubschraubertraining absolvieren; in der Halle in Bad Tölz oder bei Übungen am Berg mit echten Hubschraubern, bei denen Rettungsaktionen mit der Winde und dem Tau trainiert werden. Darüber hinaus schafften drei von vier Anwärtern vor wenigen Tagen die Wintersichtung, ein weiterer hat die Winterprüfung bestanden.
Zur Finanzierung ihrer Arbeit ist die Bergwacht Teisendorf-Anger immer auf zusätzliche Spenden angewiesen, die rund die Hälfte ihrer Einnahmen ausmachen. Die Ausgaben mit 14.524 Euro und Einnahmen über 15.116 Euro bewegten sich im vergangenen Jahr im üblichen Rahmen, weshalb Kassier Franz Fürmann und die Vorstandschaft einstimmig entlastet wurden. Größere Kosten fielen mit 4.500 Euro für Bekleidung und Ausrüstung an, die Versicherungen kosteten 3.150 Euro, Reparaturen und Unterhalt der beiden Fahrzeuge schlugen mit 1.800 Euro zu Buche, 1.320 Euro fielen für Fahrtkostenerstattungen und sonstige Auslagen an, 1.590 Euro wurden für die Ausbildung ausgegeben und 1.450 Euro kosteten Bewirtungen und Ehrungen.
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