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Stetiger Generationswechsel bei der Bergwacht-Lawinenhundestaffel

Eindrücke vom 20. Winterkurs auf der Reiter Alpe und im Endstal unterhalb der Göll-Westwand.

Die Lawinen- und Suchhundestaffel der Bergwacht-Region Chiemgau hat während der vergangenen Tage ihren mittlerweile 20. Winterkurs auf dem Hochplateau der Reiter Alpe absolviert. Da der Lenzenkaser 3 nur fürs Wochenende als Unterkunft zur Verfügung stand, fand die Ausbildung in Etappen und an mehreren Orten gleichzeitig statt. Staffelleiter Stefan Strecker und sein Team waren an einen sehr straffen und teilweise stressigen Zeitplan gebunden, was den Übungen aber eine ganz besondere Dynamik verlieh. „Wir waren nahezu pausenlos beschäftigt und haben wesentlich mehr geschafft, als erwartet. Die sieben angehenden Lawinenhunde waren richtige Streber und haben den A- oder B-Kurs alle erfolgreich absolviert“, freut sich Strecker.

Die sechs voll ausgebildeten C-Hunde übten am Wochenende parallel im Endstal unterhalb der Göll-Westwand die Suche nach verschütteten Wintersportlern; am Dienstag fand dann für alle Hunde ein gemeinsamer Flugtag mit dem Polizeihubschrauber „Edelweiß 2“ am Wartsteinkopf statt, bei dem auch ein Kamerateam des Bayerischen Rundfunks mit dabei war. Die rund sechseinhalb Minuten lange Reportage läuft am Montag, den 26. Januar zwischen 15.30 und 16.45 Uhr im Nachmittagsmagazin „Wir in Bayern“.

Die Ausbildung, ein Geduldspiel


Die Junghunde müssen Schritt für Schritt auf ihren zukünftigen ernsten Job vorbereitet werden. Dass es dabei um Leben und Tod geht, ahnen die Vierbeiner nicht, denn für sie ist die Suche nur ein triebgesteuertes Spiel. Erst nach rund drei Jahren, vielen Geduldsproben und hunderten Übungsstunden sind sie umfassend einsetzbar. Die Lawinenhundestaffel ist dabei aufgrund der sehr begrenzten Einsetzbarkeit und Lebenszeit der Tiere von einem stetigen Generationswechsel geprägt: Der Berchtesgadener Bergwachtmann Kurt Becker steht mit seinem eineinhalb Jahre alten Schäferhundrüden Askan wieder ganz am Anfang, denn trotz aller oft jahrzehntelanger Erfahrung des Hundeführers fängt die Arbeit mit jedem Welpen wieder ganz von vorne an. „Dann müssen die alten Hasen mit ihren Junghunden wieder die Schulbank drücken und die ehemaligen Schüler stehen auf einmal im Einsatz als voll ausgebildete C-Hunde an vorderster Front“, erklärt Strecker. Auch er muss wieder neu anfangen; sein Labradorrüde Janosch starb im Herbst 2014 unerwartet bei einer Herz-Operation; der voll ausgebildete C-Hund hatte während seiner Karriere als Suchhund mehrere scharfe Einsätze erfolgreich gemeistert.

Die Ausbildung der Hunde ist zeitintensiv, fordert viel Geduld, ist eigentlich nur etwas für echte Fanaten und nicht immer von Erfolg gekrönt; nicht jedes Tier ist geeignet und frühestens nach drei Jahren sind Hund und Herrchen fit genug für echte Einsätze – fünf Jahre später fallen die ersten Tiere bereits alters- und gesundheitsbedingt wieder aus. Viel Arbeit und Aufwand für eine kurze Zeit, in der der Vierbeiner nur mit viel Glück einen Verschütteten oder Vermissten lebend findet. A-Hunde wie Buddy und sein Herrchen Thomas Pöpperl aus Berchtesgaden stehen ganz am Anfang und müssen noch Übungserfahrung sammeln, bis sie so zuverlässig wie Maya arbeiten. Die voll ausgebildete C-Hündin des Ruhpoldinger Bergwachtmanns Hans Gstatter flitzt souverän über das Lawinenfeld und zeigt den Verschütteten zielsicher an, obwohl Sepp Steiner mit seiner Pistenraupe den Schnee zwei Meter dick und betonhart über das Loch gewälzt hat, so dass nur noch durch die kleinsten Ritzen Geruchstoffe von Unfallopfer Hugo Seichter an die Oberfläche dringen. Sepp macht es Spaß, atombombensichere Schneebunker zu bauen; die Schaufler haben dann alle Mühe beim Ausbuddeln. Da wo der Hund scharrt und etwas wittert, gehts normal auch am einfachsten zu graben; an anderen Stellen ist der Schnee in der Stauzone der Lawine so dicht, dass auch schon mal die Sonde im Eis steckenbleibt. Am Abend, wenn die Hunde schlafen, ist für ihre Herrchen im Lenzenkaser 3 nicht nur Gemütlichkeit angesagt: Theoretisch und praktisch werden Themen aus Notfallmedizin, Einsatztaktik und Alpinismus behandelt – denn der Hundeführer ist zunächst alleine auf der Lawine und muss im Zweifelsfall fast alles können: Einsatzleitung, Verschüttetensuche, Notfallmedizin und im heiklen Gelände Bergsteigen und Skifahren.

Der betonharte Schnee umhüllt meinen Körper


Für den erst 13 Monate alten Enzo ist es nur ein Spiel, für den unter tonnenschwerem Schnee verschütteten Tourengeher geht es im Ernstfall um Leben und Tod – jede Minute zählt. Der Bad Reichenhaller Bergwachtmann und Hundeführer Jörg Riechelmann gibt nur Handzeichen und der angehende A-Hund folgt wie an einer unsichtbaren Leine geführt und steuert schnurstracks auf mein Schneeloch zu. Es ist dunkel und kalt und ich kann mich nicht bewegen; der betonharte Schnee umhüllt meinen Körper und lässt mir nur eine winzige Atemhöhle. Im Loch hört man alles: Das Surren des Hubschraubers, der das Suchhundeteam per Winde abgesetzt hat, jeden Schritt der Helfer und das Schnüffeln des Hunds, zwei Meter über mir. Wann werden sie mich finden? Die Zeit wird relativ im weißen Grab. In den diffusen Resten des Tageslichts, die durch den Schnee nach unten dringen, zeichnen sich flackernde Schatten ab, als der Lawinenhund vorbeihuscht. Sie sind ganz in der Nähe; gleich wittert er mich. Gefangen in der Bewegungslosigkeit des Lawinenfelds läuft ein Kopfkino ab, denn selbst die leisesten Geräusche dringen zu mir herab und präsentieren sich als bizarres Hörspiel. Ich bin verschüttet, aber verfolge genau, wie sie nach mir suchen. „So feinsinnig sieht wohl nur ein Blinder“, denke ich mir und will meinen Rücken etwas drehen, der vom langen Liegen bereits schmerzt; keine Chance, denn die Höhle ist zu eng und der Schnee zu hart. Das Schnüffelgeräusch kommt näher; ein Scharren über mir und es knirscht, als der Vierbeiner zu graben anfängt. „Einsatzleitung von Hundeführer – mein Hund verweist!“, schallt es aus den Funkgeräten der Suchmannschaft. Nach wenigen Minuten erscheint eine scharrende Pfote vor meinem Gesicht, dann folgt die Schnauze und schließlich blicke ich in die Augen meines vierbeinigen Retters, der mich im riesigen Lawinenfeld zielsicher gefunden hat. „Gut gemacht, Enzo!“ Zur Belohnung bekommt er sein Bringsel, das liebste Spielzeug. Nur mit viel Mühe gelingt es den nachrückenden Schauflern, mich aus meiner misslichen Lage zu befreien. Klar, alles nur eine Übung, doch ohne fremde Hilfe wäre ich aus diesem Loch sicher nicht mehr herausgekommen.

Schneearmer Winter täuscht Sicherheit vor


Auch wenn der Winter heuer wieder auf sich warten lässt und kein richtiger sein will, liegt auf dem Hochplateau zwischen Wartsteinkopf, Hirscheck und Weitschartenkopf ausreichend Schnee für die geplanten Übungen. Sepp Steiner, der Herr über die Pistenraupe, ist seit Jahrzehnten dabei, weiß genau wo die Felsdolinen sind und schiebt darüber Berge der weißen Pracht zusammen, so dass die Mimen nach mühseliger Schauflerei in rund zwei Meter tiefen Höhlen eingegraben werden können. Nur rund 16 Prozent aller Notfälle auf Skitouren sind durch Lawinen verursacht. Allerdings bedingen diese Unfälle etwa 70 Prozent aller Todesopfer bei dieser Sportart und sind damit mit Abstand die häufigste Todesursache. Im gesamten Alpenraum sterben jährlich rund 100 Menschen bei Lawinenunfällen, wobei die absoluten Zahlen abhängig von den Schneeverhältnissen stark schwanken. Obwohl immer mehr Menschen beim Tourengehen, Schneeschuhwandern und Variantenfahren abseits der gesicherten Pisten unterwegs sind, ist der Durchschnitt an tödlichen Lawinenunfällen im Vergleich zu den Achtzigerjahren leicht zurückgegangen und seitdem etwa gleich. Die Anzahl von tödlichen Abstürzen über Steilgelände mit einem aktivierten ABS-Rucksack nimmt zu, da der Rucksack genauso wie der schneearme Winter vielen Sportlern eine vermeintlich komplette Gefahrenfreiheit vorgaukelt. „Die Leute trauen sich mehr, was aber ein tödlicher Trugschluss sein kann, da die Lawinengefahr nicht nur von der Schneemenge, sondern vor allem auch von Gelände, Hangneigung, Wind und Temperatur abhängt. Der Tourengeher wird dann zwar nicht verschüttet, von den Schneemassen aber beispielsweise über eine Felswand hinab gespült, was genauso tödlich sein kann“, weiß Hunde-Ausbilder Helmut Lutz, der sich zusätzlich ehrenamtlich beim Lawinenwarndienst engagiert.

Streber mit vier Pfoten


Aktuell gehören 13 Suchhundeteams mit sechs voll ausgebildeten C-Hunden, zwei B-Hunden und fünf A-Hunden zur Staffel, die rund um die Uhr einsatzbereit ist und von der Leitstelle Traunstein per Funkmeldeempfänger alarmiert wird. Kurt Becker und sein Askan, Jörg Riechelmann und sein Enzo und Achim Tegethoff und seine Cira absolvierten die Aufgaben beim A-Kurs so gut, dass sie quasi eine Klasse überspringen und bereits in wenigen Wochen am B-Kurs teilnehmen dürfen. Den richtet die Alpine Einsatzgruppe (AEG) der Polizei aus; Bergwacht-Hundeausbilder Michael „Much“ Partholl aus Ramsau ist zugleich Hundeausbilder der Polizei und leitet den Kurs zusammen mit seinem Kollegen Erich Christ. Sein Kantos ist als C-Hund voll ausgebildet. Bei den Bergwacht-Kursen auf der Reiter Alpe sind von Beginn immer auch die Alpinhunde der Bayerischen Polizei mit dabei. „Wir Bergwacht-Hundeführer profitieren von den Erfahrungen der Alpinbeamten, man kennt sich besser und arbeitet bei den gemeinsamen Einsätzen Hand in Hand zusammen“, lobt Hundeführer Hannes Jahrstorfer.

Vierbeiner lernen fliegen


Auf der Reiter Alpe ist heute Flugtag mit dem Polizeihubschrauber „Edelweiß 2“. Die EC135 P2 Plus ist mit einer 50-Meter-Rettungswinde ausgestattet, die bis zu 230 Kilo in einem Aufzug meistern kann – in der Praxis sind das ein Retter mit umfangreicher Ausrüstung, ein Patient und bei Lawineneinsätzen auch ein Hund im Fluggeschirr. Bei einem Alarm im Ernstfall steigt der Puls auf 180 und alles passiert innerhalb weniger Minuten: Melden über Funk bei der Leitstelle, komplette Schutz- und Sicherheitsausrüstung anziehen und einpacken und geeigneten Landeplatz suchen. Der erste Hubschrauber holt das Suchhundeteam auf dem Anflug zum Lawinenkegel zu Hause, unterwegs oder am Arbeitsplatz ab; der Hund, die sperrigen Skier und Gepäck müssen in die Maschine, wobei das Ein- und Aussteigen gerade bei Windeneinsätzen nicht unproblematisch ist. Die Hunde tragen in der Maschine deshalb alle einen Maulkorb, denn wenn das Tier Panik bekommt, darf niemand verletzt werden. Damit sich die Vierbeiner an das tosende Ungetüm gewöhnen und bei Einsätzen nicht zappeln, flüchten oder gar wild herumspringen, werden schon Junghunde wie Cira, Buddy oder Enzo bei Gewöhnungsflügen mit dem Stressfaktor Hubschrauber konfrontiert: Ein- und Aussteigen bei laufendem Rotor und Absetzen mit der Rettungswinde im Gelände stehen auf dem Programm. „Entgegen aller Erwartungen sind viele Hunde ganz brav, lassen sich in die Maschine heben oder springen sogar selbst hinein. Irgendwann weiß der Hund dann, dass wenn der Hubschrauber kommt, gleich sein Suchspiel losgeht und er gefordert wird; das liebt er. Auch der Hund mag es nicht, wenn ihm der Hubschrauber den Schnee ins Gesicht bläst; die Tiere lernen schnell, dass in der Maschine kein Wind bläst und drängen dann förmlich in den Hubschrauber “, berichtet Strecker.

Ein Hund ersetzt 20 Mann


Ein Lawinenhund ersetzt bei der Suche nach Verschütteten und Vermissten 20 Bergwachtleute und sein Geruchsvermögen ist rund 50 mal besser wie das des Menschen: Nach wie vor ist der Einsatz von Hunden die effektivste Methode, um Lawinenopfer schnell und effektiv aufzuspüren. Auf der Lawine verweist der Hund durch Scharren im Schnee, bei der Flächensuche im Sommer zeigt er dem Hundeführer an, dass er etwas gewittert hat, indem er zurückkommt und sein Bringsel, das er immer um den Hals trägt, ins Maul nimmt. „Früher haben wir die Hunde so ausgebildet, dass sie durch Verbellen einen Fund anzeigen“, erklärt Strecker. Da die Vierbeiner dadurch aber auch teilweise aggressiv werden, den Patienten einschüchtern und ihm Angst machen, wird mittlerweile nur noch mit dem Bringsel gearbeitet. Bei der rund dreijährigen Ausbildung zum Lawinen- und Suchhund wird vor allem der Spieltrieb der Tiere genutzt. „Wir trainieren nicht den angeborenen Geruchsinn der Hunde. Wir bringen ihnen nur bei, dass sie die gestellten Aufgaben wesentlich einfacher lösen, wenn sie ihre Nase einsetzen“, erklärt Strecker.

Feinsinnige Hundenasen kombiniert mit moderner Technik


Nicht jeder Hund taugt zum Suchhund. Chefausbilder Partholl schätzt die Tiere mit viel Ruhe und Erfahrung ein und testet sie ganz individuell mit verschiedenen Methoden. „Er liest jeden Hund anders“, erklärt Strecker. Das Tier braucht eine große Stressresistenz, muss aufs Wort gehorchen und körperlich absolut fit sein. C-Hunde wie Lup des Bergener Bergwachtmanns Ernst Bresina sind voll ausgebildet und arbeiten flink und effektiv, lassen auf der Lawine Apparate wie Radar- oder moderne Lawinen-Verschütteten-Suchgeräte mit drei Antennen (LVS) hinter sich. Trotzdem kombinieren die Retter die Fähigkeiten des Hundes mit moderner Technik. „Sommer wie Winter müssen wir oft riesige Gebiete absuchen, wenn am Berg jemand vermisst wird und haben meist keine genaueren Angaben, um das in Frage kommende Gebiet genauer einzugrenzen. Dabei vergehen für verletzte und unterkühlte Patienten wertvolle Stunden“, berichtet Strecker. Seit einigen Jahren werden deshalb bei Bedarf von den Hunden auch GPS-Empfänger getragen, die die zurückgelegte Wegstrecke permanent aufzeichnen, die dann immer wieder am Computer ausgewertet wird. Strecker: „Kreuzen sich die Linien am Bildschirm, läuft der Hund also mehrmals über dieselbe Stelle, hat er mit großer Wahrscheinlichkeit die Witterung des Vermissten aufgenommen – den entsprechenden Teilabschnitt suchen wir dann nochmals genauer ab.“ Auf der Lawine trägt der Hund in Geschirrtaschen ein auf Suchen eingestelltes LVS-Gerät bei sich, das seine Töne per Funk an den Hundeführer schickt. Bresina: „Mein Lup ist am Berg wesentlich flinker unterwegs als ein Mensch und meistert große Flächen in kürzester Zeit. Nähert er sich einem Verschütteten mit LVS-Gerät, bekomme ich das per Tonsignal sofort mit und kann reagieren.“

Einmal Hundeführer, immer Hundeführer


Neben jeweils einer Woche Sommer- und Winterlehrgang finden monatlich größere Übungen und Motivations- und Unterordnungstraining statt. Zusätzlich nimmt der Hundeführer in seiner jeweiligen Bergwacht-Bereitschaft an weiteren Übungen teil und trainiert nahezu täglich auch privat zu Hause mit seinem Vierbeiner die eingespielten Abläufe. Ein Lawinenhund kostet unzählige Stunden für Ausbildung und Übung und einige tausend Euro Unterhalt für Futter, Tierarzt und Einsatzausrüstung. Deshalb ist es für den Hundeführer das Größte, wenn sein Tier einen Einsatz erfolgreich meistert, wie der Reichenhaller Bergwachtmann Jörg Riechelmann und sein Schäferhundrüde Max im Dezember 2011 im steilen Gelände am Windeck, einem Vorgipfel des Hochgern. Der Hund hatte während einer groß angelegten Vermisstensuche die Witterung eines abgängigen, tödlich abgestürzten Mannes aufgenommen, der unterhalb einer Felswand nicht einsehbar zwischen Tannen lag und ohne tierische Unterstützung wohl kaum gefunden worden wäre. „Da macht sich dann plötzlich all der Aufwand bezahlt“, freut sich Riechelmann. Max hatte dafür die „Plakette für erfolgreichen Einsatz“ des Deutschen Schäferhundevereins verliehen bekommen, musste aber im Herbst 2013 überraschend wegen gesundheitlicher Probleme eingeschläfert werden. Für Riechelmann ein tiefer Rückschlag, der ihn aber nicht aus der Bahn geworfen hat, denn sein neuer mittlerweile 13 Monate alter Enzo hat beim A-Kurs alle überzeugt.

Ein schwieriger und harter Job


„Immer wieder rufen Hundebesitzer bei uns im Büro an, die mit ihrem Vierbeiner etwas Sinnvolles machen wollen. Das ist gut gemeint, aber nicht so einfach, denn Lawinenhundeführer kann bei uns nur werden, wer die komplette, anspruchsvolle Bergwacht-Grundausbildung durchlaufen hat“, weiß Regionalgeschäftsführer Ludwig Lang. Nicht ohne Grund, denn ein Lawineneinsatz ist bedingt durch Gelände, Zeitdruck und mögliche Nachlawinen mitunter das Schwierigste und Gefährlichste, was der Bergwachtdienst zu bieten hat. Der Hundeführer kommt in der Regel mit dem Hubschrauber als erster am Lawinenkegel an, muss als Einsatzleiter sofort die richtigen Entscheidungen treffen, einige Zeit alleine klarkommen und gegebenenfalls durch schwieriges Gelände abfahren.

Jede Minute zählt


Der Faktor Zeit spielt bei der Lawinenrettung die größte Rolle: Etwa sieben Prozent der Verschütteten sind bereits beim Stillstand einer Lawine aufgrund ihrer schweren Verletzungen tot, bedingt durch Absturz oder die Wucht des Schnees. 90 Prozent aller Verschütteten leben rund eine viertel Stunde nach dem Abgang noch; in der darauf folgenden Erstickungsphase bis etwa 35 Minuten sterben etwa 60 Prozent aller komplett Verschütteten aufgrund von Sauerstoffmangel. Danach überleben nur noch diejenigen, die unter dem Schnee atmen können (rund 30 Prozent); mit einer entsprechend großen Atemhöhle auch sehr lange, weshalb die Hunde nicht nur Tote finden. Nach einer dreiviertel Stunde sind statistisch betrachtet 75 Prozent der Verschütteten erstickt. Neben der schnellen Kameradenhilfe mit LVS-Gerät, Sonde und Schaufel ist vor allem entscheidend, dass die Suchhundeteams möglichst rasch zum Einsatzort gelangen – bei Flugwetter per Hubschrauber, ansonsten mit dem Motorschlitten, per Seilbahn, mit der Pistenraupe oder wenn es nicht anders geht auch zu Fuß. Strecker dankte abschließend der Gebirgsjägerbrigade 23 und der Wehrtechnischen Dienststelle 52 für die Unterbringung im Lenzenkaser 3 und für den Transport per Seilbahn auf das Hochplateau.

red/Pressemitteilung BRK BGL
Bilder © Leitner & Ziegler BRK BGL
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