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Rettungstau-Fortbildung im Pidinger Klettersteig

Piloten, Notärzte und Rettungsassistenten von „Christoph 14“ üben mit der Bergwacht für Einsätze im alpinen und unwegsamen Gelände.

Die Abläufe wirken routiniert, für den unwissenden Beobachter oft aber auch gefährlich und abenteuerlich: In Zusammenarbeit mit den örtlichen Bergwachten setzt die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ seit mittlerweile 16 Jahren erfolgreich das „Rettungstau-Verfahren“ ein, um verletzte, erkrankte oder in Not geratene Bergsteiger aus unwegsamem Gelände ins Tal zu fliegen. Pünktlich zum Frühlingsbeginn haben sie im Pidinger Klettersteig auf der Nordseite des Hochstaufens ihr Zusammenspiel geübt, denn nur durch optimierte Teamarbeit gelingt es den Einsatzkräften im Ernstfall, alle Gefahren richtig einzuschätzen und die verbleibenden Risiken auf ein Minimum zu reduzieren.

Der Winter 2013/2014 war schneearm und mild wie lange nicht mehr, weshalb die Bergsteiger-Saison in den Berchtesgadener und Chiemgauer Bergen nur durch wenige Neuschnee-Schlechtwettertage unterbrochen den Jahreswechsel überdauerte. Doch was geschieht, wenn im unwegsamen Gelände ein Unglück passiert? Geht ein Notruf in der Leitstelle Traunstein ein, dann alarmiert der Disponent in der Regel zunächst den Einsatzleiter der örtlich zuständigen Bergwacht, der dann je nach Lagebild weitere Bergretter und einen Hubschrauber nachfordert. Für die Berchtesgadener und Chiemgauer Alpen ist primär der Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“ zuständig.

Der Arbeitsplatz in luftiger Höhe auf der Hubschrauberkufe oder am Ende des Fixtaus ist für viele Menschen faszinierend und angsteinflößend zugleich, doch für die Profis nur Alltag, soweit sie genügend Übung haben. Pilot Eckart Steinau, der Rettungstau-Beauftragte von „Christoph 14“ und Manfred Hasenknopf, Luftrettungsausbilder der Bergwacht-Region Chiemgau, hatten die zweitägige Fortbildung im Ruhpoldinger Steinbruch und am Staufen für ihre Kollegen vorbereitet, wobei weitere Ausbilder wie Hans Lohwieser oder Franz Helminger zusätzlich die einzelnen Stationen im Gelände betreuten.

Bei der Fortbildung bewährte sich der im Herbst unter der Federführung von Hasenknopf neu eingerichtete Landeplatz, der mit Hilfe des Technischen Hilfswerks (THW), mehrerer Lastwagenfahrer und der Gemeinde Piding im Rahmen von Aufräumarbeiten nach einem Murenabgang im Schuttkar unterhalb des Einstiegs gebaut wurde. „Das THW hatte stundenlang einen geländegängigen Spezial-Bagger im Einsatz und mit ihm Großartiges für uns geleistet“, lobt Hasenknopf, denn bei echten Notfällen im Pidinger Klettersteig können die Retter nun höher und näher am Berg zu Rettungsflügen starten und müssen nicht auf weiter entfernte Almwiesen oder andere Flächen ausweichen, wo sie womöglich andere stören. Der Landeplatz ist per Geländewagen erreichbar, so dass die Bergretter bis zum Hubschrauber vorfahren oder dort einen Patienten abholen können.

Schwerpunkt des Frühjahrtrainings war die Arbeit mit dem Rettungstau an der Doppel-Lasthaken-Anlage von „Christoph 14“: Unter anderem mit dem 2012 neu eingeführten, extra kurzen Sieben-Meter-Tau wurden die Einsatzkräfte oberhalb der Einstiegswand des Klettersteigs und auf dem Schuttkar unterhalb abgesetzt, wobei sie ihre Kollegen im Kapp-Verfahren sichern und den Abtransport der fiktiven Patienten üben sollten. Beim Kapp-Rettungsverfahren wird der Bergwacht-Luftretter per Tau zum Patienten geflogen, der hilflos in seiner Selbstsicherung im Steig hängt. Der Retter sichert den Verunfallten ans Rettungstau; danach wird die Selbstsicherung durch Abheben entlastet und mit einer Schere durchtrennt. „Eine Kapp-Rettung ist für die Hubschrauberbesatzung besonders schwierig, da die Maschine für kurze Zeit über die Selbstsicherung des Verunfallten an den Berg gefesselt ist und damit nicht beliebig manövrieren kann“, erklärt Ausbilder Hasenknopf.

Einsatzstellen mit einer engen Hinderniskulisse, wie bewaldete Steilhänge und Absetzstellen in Schluchten und Klettersteiganlagen fordern den Rettungshubschrauber-Piloten der Bundespolizei regelmäßig fliegerische Meisterleistungen ab. „Da ich während des Einsatzes den Bereich unterhalb der Maschine nicht selbst einsehen kann, vermindert die einwandfreie Verständigung über Funk die Unfallgefahr immens: Der Luftrettungsassistent steht als mein sprechendes Auge gesichert auf der linken Kufe und blickt direkt zum Tauende hinab. Er informiert mich über Hindernisse und teilt mir mit, wann Retter und Patient am Tau eingehängt werden“, berichtet Steinau, der abwechselnd mit seinen Kollegen im Cockpit der „EC135T2i“ sitzt und die Übungsteilnehmer zu den Absetzpunkten am Berg bringt.

Dieses so genannte Einsprechen über Funk beginnt bereits auf der Anflugphase, wobei der Rettungsassistent den Piloten über die Höhe des Tauendes über dem Grund, mögliche Pendelbewegungen des Taus und gefährliche Hindernisse im Luftraum informiert. Im Nahbereich der Einsatzstelle werden die Abläufe dann schwieriger: Ständig übermittelt der Rettungsassistent genaueste Angaben über die Position des Taus sowie die Situation an der Einsatzstelle an den Piloten und überwacht, ob Hauptrotor und Heck frei von Hindernissen sind. Mit genauen Anweisungen des Rettungsassistenten positioniert der Pilot das Tau dann direkt über dem Unfallort. Im Schwebeflug bleibt die Maschine über der Einsatzstelle, bis der Notarzt oder der Bergwacht-Luftretter und der Verletzte gesichert sind.

Jeder Arbeitsschritt des schwierigen Manövers geschieht dabei unter strikter Einhaltung vorgegebener Abläufe und wird mit klaren Kommandos über Funk bestätigt. Nachdem der Notarzt oder der Bergwacht-Luftretter an der Einsatzstelle mitteilt „Tau eingehängt“, bestätigt der Pilot die Meldung mit „Ich steige“ und beginnt erst dann das Tau zu straffen, indem er den Hubschrauber langsam nach oben wegzieht. Auf dem Weg zum neuen Landeplatz kann der Pilot seine Sinkgeschwindigkeit und den Abstand des Tauendes zum Boden daran abschätzen, wie schnell der Notarzt oder Bergwacht-Luftretter nach unten zählen: „Zehn Meter, acht Meter, …“.

„Kein echter Bergeinsatz ist wie der andere; wir müssen uns je nach Gelände, Wetter und Zustand des Patienten anpassen“, erklärt Stationsleiter Robert Portenkirchner, Luftrettungsassistent beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK). Seit über 33 Jahren ist das BRK im Auftrag des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung der Betreiber der Rettungshubschrauberstation in Traunstein. Das Rettungstau-System für Einsätze im unwegsamen Gelände wurde im Jahr 2013 insgesamt 45 mal benötigt.

red/Pressemitteilung BRK BGL
Bilder © Leitner BRK BGL
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