Hubschrauberflüge wegen tiefhängender Wolken nicht möglich: Absturz auf dem Kederbacherweg - Rettungskräfte suchen nach schwer verletztem Bergsteiger.
Ein Großaufgebot an Einsatzkräften der Bergwacht ist derzeit in der Watzmann-Ostwand unterwegs, um einen verletzten Bergsteiger zu retten. Der 56-jährige Mann war den Angaben seines Begleiters zufolge am Kederbacherweg irgendwo oberhalb des Schöllhorneises in etwa 1.600 Metern Meereshöhe rund 20 Meter abgestürzt und wartete schwer verletzt auf Hilfe. Wegen des Nebels konnte kein Hubschrauber direkt zur Unfallstelle fliegen. Bis 17 Uhr hatten die Einsatzkräfte den Patienten noch nicht erreicht. Voraussichtlich zieht sich der Rettungseinsatz noch bis in die Nacht hinein.
Gegen 13.50 Uhr war der Notruf aus dem so genannten Kederbacherweg eingegangen. Die Leitstelle Traunstein alarmierte daraufhin sofort die zuständige Bergwacht Berchtesgaden, die zur Unterstützung für einen aufwendigen, bodengebundenen Einsatz die Nachbarbereitschaften aus Marktschellenberg und Ramsau nachforderte, da ein direkter Anflug der Unfallstelle per Hubschrauber wegen der tiefhängenden Wolken nicht möglich war.
Die Besatzung des Salzburger Notarzthubschraubers »Christophorus 6« versuchte gegen 14.45 Uhr noch, ihren Notarzt und den Einsatzleiter so nah wie möglich an der Unfallstelle abzusetzen, kam aber nur bis zur Kapelle Johann und Paul unterhalb der Eiskapelle durch. Die BRK-Wasserwacht brachte am Nachmittag im Pendelverkehr Einsatzkräfte und Ausrüstung, darunter auch ein All-Terrain-Vehicle (ATV), mit ihrem Rettungsboot von der Seelände über den Königssee nach St. Bartholomä. Die Bergretter, darunter auch zwei Bergwacht-Notärzte, mussten von dort aus bei schwierigen Verhältnissen mit umfangreicher Rettungsausrüstung zu Fuß zur Unfallstelle aufsteigen. Gegen 17 Uhr befanden sich die ersten Rettungskräfte kurz unterhalb des Patienten.
Der Kederbachweg wird in der Regel nur im Frühsommer begangen, wenn das Schöllhorneis noch mit Schnee bedeckt ist und die Randkluft noch gut überwindbar ist. Gleich darüber schließt sich die Schlüsselstelle der Tour, die Schöllhornplatte, an. Hier ist Kletterei im vierten Schwierigkeitsgrad erforderlich, zudem ist der Fels hier oft unangenehm nass. Zahlreiche Unfälle haben sich hier seit der Erstbegehung im Jahr 1881 bereits ereignet. Wo sich der Unfall genau ereignet hatte, war bis 17 Uhr noch nicht bekannt. Kurz nach 17.30 uhr treffen die ersten Einsatzkräfte beim Verletzten ein. Gegen 18 Uhr sind 33 Bergretter in der Ostwand unterwegs und die Wasserwacht fährt zum siebten Mal Personal und Material über den See.
Obwohl sich die Wolken stellenweise kurzzeitig lichteten, kam am Abend und während der Nachtstunden kein Hubschrauber mehr zur Einsatzstelle am Kederbacherweg in der Watzmann-Ostwand durch. Über 40 Einsatzkräfte der Bergwacht, darunter drei Notärzte, sind seit Stunden unterwegs und bringen den abgestürzten, medizinisch erstversorgten 56-jährigen Österreicher in einer aufwendigen Rettungsaktion talwärts. Die feuchtkalte Witterung mit Regen und Nebel, das schwierige Gelände und die Dunkelheit machen die Rettungsaktion zu einem mühsamen Unterfangen. Gegen Mitternacht traf der Patient an der Eiskapelle ein, rund 20 Minuten später auch sein Begleiter; von dort aus dauert der Abtransport der Gebirgstrage bis zum Rettungsboot der BRK-Wasserwacht in St. Bartholomä noch etwa zwei Stunden.
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