Innenminister Joachim Herrmann besucht spektakuläre Großübung von Polizei, Bergwacht im BRK und BRK-Wasserwacht am Königssee.
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann hat am Donnerstag eine spektakuläre Großübung mit rund 50 Einsatzkräften der Alpinen Einsatzgruppen (AEG) der Polizeipräsidien Oberbayern Süd und Schwaben Süd/West, der Polizeihubschrauberstaffel Bayern, der Bergwacht Berchtesgaden und der BRK-Wasserwacht-Ortsgruppe Berchtesgaden besucht. Angenommen wurde der Absturz eines Kleinflugzeugs mit drei Insassen in der Archenwand, den steilen Südostabbrüchen des Archenkopfs zwischen Kühroint und Königssee-Ufer.
Ein Szenario, das einheimische Piloten realistisch betrachtet als eher unwahrscheinlich einschätzen, da sie über den Königssee in der Regel noch so hoch fliegen, dass sie nur mit viel Aufwand tief genug sinken, um am nahen Flughafen Salzburg landen zu können. Doch die Erfahrung der örtlichen Einsatzkräfte zeigt, dass es in Wirklichkeit wegen technischer Probleme, Wetterstürzen oder menschlichem Versagen nichts gibt, was es nicht gibt. Unabhängig davon sind Bergwacht im BRK, BRK-Wasserwacht und die Polizei immer wieder in den Steilufern des Königssees gefordert, da Wanderer rund um den Tourismus-Magneten in wegloses, absturzgefährliches Gelände geraten und per Boot, per Hubschrauber oder von Fußmannschaften mit Seilsicherungen gerettet werden müssen. „Am 8. Juli 2012 mussten wir auch einen verletzten Gleitschirmflieger nach einer Notladung in einem Baum im steilen Ostufer südlich von Kessel retten. Wir sind bei solchen Einsätzen ein eingespieltes Team. Im Ernstfall arbeiten alle organisationsübergreifend Hand in Hand zusammen und jeder leistet, was er kann“, erklärt der Technische Leiter der Berchtesgadener Wasserwacht, Franz Kurz.
Gegen 11.30 Uhr beginnt dann die Übung: Die Königssee-Schifffahrt meldet über Notruf von einem Kursboot aus, dass gerade eben rund 30 Meter oberhalb des Sees ein Flieger in die Felswand gekracht sei. Die Leitstelle Traunstein und die Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd alarmieren sofort die Bergwacht Berchtesgaden, die BRK-Wasserwacht mit ihrem Rettungsboot und die Polizeibergführer und Alpinbeamten der AEG, die zusätzlich einen Polizeihubschrauber vom Flughafen München anfordern. Der Leiter der AEG Berchtesgaden fordert weitere Polizeibergführer an, die von zu Hause oder anderen Dienststellen aus anfahren. Zusammen mit den ersten Bergrettern werden sie gegen 12 Uhr mit den Booten von Polizei und Wasserwacht zum Ufer unterhalb der Unglücksstelle gebracht und steigen durch den Steilhang zum Flugzeugwrack auf. Bei der ersten Lageerkundung können sie nur zwei der drei Insassen finden; einer ist schwer verletzt und wird durch den Bergwacht-Notarzt mit Unterstützung durch die weiteren Bergretter und Polizeibergführer erstversorgt. Der Zweite ist tot und vom Dritten fehlt jede Spur, weshalb weitere Einsatzkräfte für eine Vermisstensuche im Steilgelände und unter Wasser nachgefordert werden. Während die Verletztenversorgung auf Hochtouren läuft, bauen weitere Einsatzkräfte ein Seilgeländer von den Booten bis zum Unfallort auf, damit nachrückende Einheiten sicher auf- und absteigen können. Von einem Kursboot aus verfolgen der Innenminister und seine Begleiter sowie mehrere Ehrengäste und Journalisten das Spektakel gebannt aus der ersten Reihe. Polizeipräsident Robert Heimberger, Landrat Georg Grabner, der stellvertretende Vorsitzende der Bergwacht Bayern, Stefan Schneider, Bergwacht-Geschäftsführer Gerhard Opperer, die Vorsitzende der BRK-Wasserwacht, Ulrike Scharf und die Berchtesgadener Polizeichefs Günther Adolph und Franz Sommerauer erklären den Gästen Details und Hintergründe.
Die BRK-Wasserwacht bringt im Pendelverkehr weitere Alpinbeamte, Rettungstaucher und Bergretter zur Archenwand. Während der Patient für den Abtransport im Luftrettungssack gesichert wird, dokumentiert die Polizei bereits den Schadensraum und packt den Toten ein. Kurz darauf trifft dann der Polizeihubschrauber aus Erding am Königssee ein und kann im ersten Anflug den schwer Verletzten zusammen mit dem Bergwacht-Notarzt per Rettungswinde aufnehmen und ausfliegen. „Edelweiß 4“ schwebt nach wenigen Minuten wieder ein, setzt Suchhundeführer Michael Partholl und seinen Schäferhund-Rüden Kantos mit der Winde ab, wincht dann den Verstorbenen auf und fliegt ihn aus der Wand.
Gleichzeitig läuft bereits die Vermisstensuche auf Hochtouren: Die BRK-Wasserwacht sucht die steil abfallenden Uferbereiche unter Wasser mit Rettungstauchern ab; die Polizeibergführer seilen sich in das Steilufer südlich des Flugzeugwracks ab. Kurz darauf treffen weitere Spezialisten zur Unfallaufnahme und Ursachenforschung per Boot ein, darunter Flugsachbearbeiter der Kripo, Experten vom Luftfahrtbundesamt und der Staatsanwalt. Da die Übung später als ursprünglich geplant begonnen hat, wird sie vorzeitig abgebrochen, so dass das leichter verletzte, dritte Besatzungsmitglied rund 80 Meter oberhalb im steilen Bergwald südlich der Absturzstelle nicht mehr versorgt und wie geplant mit dem Wasserwacht-Boot abtransportiert werden kann. Dann kehrt wieder Ruhe im Nationalpark ein.
Bei der anschließenden Nachbesprechung im Gasthaus St. Bartholomä zeigte sich Innenminister Herrmann von der hohen Leistungsfähigkeit der Retter beeindruckt: „Das enge Zusammenspiel zwischen Polizeibergführern, Alpinbeamten, Polizeihubschrauberstaffel und Spezialisten von Bergwacht und Wasserwacht hat gezeigt, dass unsere Rettungskräfte selbst in schwierigsten Situationen einen kühlen Kopf bewahren.“ Herrmann ist überzeugt: „Berg- und Naturfreunde aus Nah und Fern können sich im Notfall auf schnelle und professionelle Hilfe in den bayerischen Bergen verlassen.“
Wie der Innenminister weiter erläuterte, seien diese gemeinsamen Übungen für die reibungslose Zusammenarbeit der beteiligten Rettungskräfte unverzichtbar. Nur dann können gefährliche Ernstfälle am Berg sicher gelöst und Menschenleben gerettet werden. Trotz des abgelegenen, schwer erreichbaren Unfallorts und der nasskalten Witterung schafften es Bergwacht, Wasserwacht und Polizei, das inszenierte Unglück im rutschigen Hang effektiv und verhältnismäßig rasch abzuarbeiten. „Hier bewährt sich die moderne Technik, die uns einen enormen Zeitvorteil verschafft. Dank der guten Ausbildung sowie viel gemeinsamer Einsatz- und Übungserfahrung sind wir alle ein eingespieltes Team“, erklärt der Berchtesgadener Bergwacht-Bereitschaftsleiter Thomas Stöger.
Bergsport liegt voll im Trend: Der bayerische Alpenraum zwischen Berchtesgaden und Oberstdorf erfreut sich mit seinen knapp 300 Gipfeln weit über die weiß-blauen Landesgrenzen hinaus größter Beliebtheit, insbesondere auch zur Hauptwanderzeit im Herbst. Leider bleiben in diesem Paradies für Berg- und Naturfreunde Unfälle nicht aus. Laut Herrmann sind die Retter immer häufiger gefordert: „Während wir 2012 in Bayern bei klassischen Bergunfällen 146 schwer Verletze und 48 Getötete beklagen mussten, liegen wir 2013 schon bei 155 schwer Verletzten und 44 Toten.“ Diese Zunahme an polizeilich registrierten Unfällen läge insbesondere an der hohen Attraktivität des bayerischen Alpenraums weit über die bayerischen Landesgrenzen hinaus. In den Chiemgauer und Berchtesgadener Bergen mussten die insgesamt 15 Bergwachten 2012 zu 914 Einsätzen ausrücken; so viele wie nie zuvor. 2012 gab es in ihrem Zuständigkeitsbereich 18 Bergtote.
Einen besonderen Stellenwert hat die optimale Ausrüstung der Rettungskräfte: „Wir unterstützen unsere Berg- und Wasserwachten allein 2013 mit über sechs Millionen Euro“, so der Innenminister. „Damit können Fahrzeuge, Boote und Funkgeräte genauso finanziert werden, wie beispielsweise hochmoderne Wärmebildkameras zur Berg-, Höhlen- und Lawinenrettung. Das sichert das hohe Leistungsvermögen unserer Rettungsorganisationen.“ Auch die zum 1. April 2013 in Kraft getretenen neuen Regelungen zur Retterfreistellung im Bayerischen Rettungsdienstgesetz haben laut Herrmann die Rahmbedingungen für die ehrenamtliche Arbeit bei der Berg- und Wasserrettung wesentlich verbessert. Ehrenamtliche Retter der Hilfsorganisationen haben jetzt ähnliche Ansprüche auf Freistellung durch ihre Arbeitgeber und auf Lohnfortzahlung wie bei Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW).
Ebenso wie die vielen ehrenamtlichen Mitglieder der Berg- und Wasserwachten müssen auch die eingesetzten Polizeibeamten über eine überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit sowie eine umfassende alpine Erfahrung und Technik verfügen, erläuterte Herrmann. Daher wurden schon vor Jahren bei der Bayerischen Polizei spezielle Polizeibergführer ausgebildet und alpine Einsatzgruppen eingerichtet. „Unsere umfassende Spezialausbildung hat sich bei den hohen Anforderungen der bayerischen Gebirgsregionen absolut bewährt“, betonte der Innenminister.
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