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BRK-Wasserwacht Ortsgruppe Bad Reichenhall sucht neue Unterkunft und sammelt Geld für Fahrzeug und Anhänger

Einsatzhalle in der Frühlingstraße soll nach 13 Jahren für neuen Wohnraum abgerissen werden – gestiegener Wartungs- und Dokumentationsaufwand belastet die ehrenamtlichen Wasserretter.

Die BRK-Wasserwacht Ortsgruppe Bad Reichenhall hat bei ihrer Jahreshauptversammlung am Freitagabend im BRK-Haus auf ein arbeitsreiches Jahr mit einer vor allem sehr starken Jugendarbeit zurückgeblickt und von ihren aktuellen Herausforderungen berichtet. Der Schuh drückt den ehrenamtlichen Wasserrettern des Roten Kreuzes an gleich drei Stellen: Sie wissen noch nicht, wo sie nach dem auslaufenden Mietvertrag in der Frühlingstraße ab 2022 unterkommen werden, sie müssen insgesamt rund 35.000 Euro für ihr neues Einsatzfahrzeug und den Anhängerumbau sammeln, und es wird für sie aufgrund des gestiegenen Altersdurchschnitts immer schwieriger, trotz aktuell guter Zukunftsaussichten mit einer starken Jugend von 60 Kindern und Jugendlichen die vielen Dienste zu besetzen, wobei auch der Wartungs- und Dokumentationsaufwand enorm gestiegen sind. „Wir werden mittlerweile nicht mehr als ehrenamtliche Gemeinschaft, sondern als zertifizierter Betrieb betrachtet“, gibt der Technische Leiter der Ortsgruppe, Günter Eisenschink zu bedenken.

Einsatzhalle in der Frühlingstraße soll 2022 abgerissen werden


Die Zukunft ist ungewiss und Siegfried Hauber appelliert schon jetzt an die Gemeinden und den Landkreis, aber auch Firmen und Bürger, die Wasserwacht bei der Suche und Finanzierung einer neuen Unterkunft zu unterstützen: Ende 2021 läuft der Mietvertrag in der Einsatzhalle in der Frühlingstraße aus, und die dort untergebrachte BRK-Bereitschaft und die BRK-Wasserwacht brauchen wieder ein neues Zuhause. 2008 hatten die Ehrenamtlichen die Halle in der Frühlingstraße gemeinsam und mit viel handwerklicher Eigenleistung kostengünstig auf ihre Bedürfnisse und Anforderungen umgebaut und saniert; nach 13 Jahren ist nun Schluss, denn das Gebäude soll abgerissen werden und neuem Wohnraum weichen. „Die Zeit drängt, denn jeder weiß, wie lange es dauert, bis ein neues Bauprojekt bezugsfertig wird!“, sagt Hauber.

Einsatzbereitschaft werktags schwierig


„Im letzten Sommer war es zeitweise ein Kampf, den Dienstplan zu besetzen; Freizeit ist das Wichtigste, und immer mehr Leute müssen auch am Wochenende arbeiten und haben weniger Zeit fürs Ehrenamt“, bedauert Günter Eisenschink, der Technische Leiter der Ortsgruppe. Er zeichnet neben Ausbildung und Ausrüstung der Wasserwacht vor allem auch dafür verantwortlich, dass die Wachdienste in den Bädern und an den Seen besetzt werden. Trotz der starken Jugendarbeit mit rund 30 Kindern und weiteren 30 Jugendlichen im Schwimmtraining auf vier Bahnen am Montagabend in der Therme ist der Altersdurchschnitt in der Wasserwacht gestiegen, und die aktiven Einsatzkräfte sind weniger geworden. „Wir suchen deshalb auch gezielt erwachsene Quereinsteiger, die sich für die Wasserwacht oder bestimmte Aufgaben in der Organisation interessieren und mithelfen wollen“, sagt Eisenschink, der offen ausspricht, dass die Einsatzbereitschaft werktags unter der Woche schwierig ist nur noch deshalb besteht, weil Arbeitgeber wie die Volksbank und die Sparkasse, Metallbau Bender, die Schlosserei Hasenknopf, die Saline, Moltke-Wintergärten, die Kirchen oder die Bundeswehr ihre Mitarbeiter gehen lassen, wenn etwas passiert. Er fordert mehr öffentliche Wertschätzung für die oft wenig spektakulären Wachdienste in den Bädern, die von vielen als selbstverständlich betrachtet und deshalb oft gar nicht wirklich wahrgenommen würden, so lange nichts passiert.

36 aktive Einsatzkräfte


Von den 355 Mitgliedern sind 36 aktiv, 28 sind ausgebildete Wasserretter, acht altgediente Mitglieder noch Rettungsschwimmer. Fast alle haben gleich mehrere Qualifikationen wie Bootsführer, Rettungstaucher, Canyon-Retter oder Einsatzleiter – im vergangenen Jahr absolvierte ein Mitglied neu die Ausbildung zum Wasserwacht-Luftretter und drei Aktive den Wasserretterlehrgang. 350 ehrenamtliche Stunden fielen 2019 für Wartungen an, 880 für Wachdienste an den Seen und in den Bädern, 350 bei den Schwimmtrainern in der Therme, 280 bei überregionalen Lehrgängen und 480 bei Fortbildungen und Übungen in der Ortsgruppe, wie beim Wiederbelebungstraining mit dem Frühdefi.

35.000 Euro Spenden für Fahrzeuge und Anhängerumbau


Bereits im Spätsommer 2019 hat die Ortsgruppe als Nachfolgefahrzeug für ein 20 Jahre altes Wasserrettungsfahrzeug ihren neuen 80.000 Euro Allrad-Mercedes-Sprinter ausgeliefert bekommen, der aktuell noch für die speziellen Anforderungen angepasst und ausgestattet und im Frühjahr in Dienst gehen wird. Das bisherige altgediente Fahrzeug konnte die Ortsgruppe für knapp über 4.000 Euro übernehmen und behält es nun zusätzlich als Auto für die Rettungs- und Bergetaucher. Insgesamt muss die Ortsgruppe derzeit rund 35.000 Euro an Spenden und Zuschüssen für die Autos und den Umbau ihres Anhängers sammeln, darunter 7.500 Euro für Sonderausstattung des neuen Autos, 7.300 Euro für den Zehn-Prozent-Pflicht-Eigenanteil am neuen Auto, 12 bis 14.000 Euro für den Rüst-Anhänger-Umbau, 6.000 Euro für technische und medizinische Ausstattung und 1.500 Euro für den Digitalfunk. „Wir haben schon einiges zusammen, hoffen aber noch auf Spenden“, berichtet Hauber, der den Reichenhaller Zahnarzt Florian Gierl mit fast 4.400 Euro aus seiner Zahngoldaktion für die Wasserwacht und Thermen-Geschäftsführer Dirk Sasse lobend hervorhob, der die Wasserwacht ebenfalls mit einer größeren Spende unterstützen wird und den Engpass beim Training am Montagabend mit mittlerweile vier bereitgestellten Bahnen beseitigt hat. Der Pidinger Rupertimarkt und der Stand am Reichenhaller Christkindlmarkt haben mit über 3.500 Euro ordentlich Geld in die Kassen der Ortsgruppe gespült, die Firma Moltke-Wintergärten sponsert die Beschriftung des neuen Autos.

Kinder und Jugendliche müssen gestiegene Eintrittspreise in die Therme nun selbst bezahlen


Neben dem Auto muss die Ortsgruppe heuer aus Altersgründen ihre Rettungswesten austauschen, drei Trocken-Wasserretter-Anzüge für die kalte Jahreszeit, drei Vollgesichtsmasken sowie zwei Trochentauchanzüge und einen stärkeren Motor für ein Rettungsboot kaufen, das bei voller Beladung aktuell untermotorisiert ist. Darüber hinaus stehen Instandsetzungsarbeiten an den Wachstationen am Thumsee und am Höglwörther See an; die Bootshütte in Höglwörth ist für das neue Boot zu klein und die Treppe und Terrasse am Thumsee müssen saniert werden, da sie immer wieder von Badegästen unberechtigt als Sprungturm missbraucht und beschädigt werden. Kassenwart Barbara Paul berichtete in ihrem Rückblick von jeweils rund 22.000 Euro an Einnahmen und Ausgaben. Die Ortsgruppe hatte bis zuletzt die 2019 von 2,50 auf 3,50 Euro gestiegenen Eintrittsgelder für den Nachwuchs beim Training in der Therme aus eigenen Mitteln gepuffert, kann sich das aber jetzt nicht mehr dauerhaft leisten, weshalb nicht nur die Erwachsenen, sondern auch der Nachwuchs den Eintritt selbst bezahlen muss. „Wir befürchten, dass einige deshalb nicht in der Wasserwacht bleiben werden“, sagt Paul, die zu bedenken gibt, dass die Eintrittsgelder gerade für Familien mit gleich mehreren Kindern in der Wasserwacht eine echte Mehrbelastung darstellen. Neben über 6.000 Euro an Mitgliedsbeiträgen bekam die Wasserwacht 2019 fast 8.000 Euro an Spenden, fast 3.300 Euro an Zuschüssen oder Gebühren für Sanitäts- und Wachdienste oder abgenommene Rettungsschwimmabzeichen, aber nur 520 Euro an Erstattungen für SEG-Einsätze, mit denen alleine die Vorhaltung niemals finanziert werden könnte. Nur der Betrieb des Fahrzeugs kostete fast 1.500 Euro, 1.200 Euro waren für Bekleidung notwendig, 1.800 Euro für Material und Instandhaltung und fast 6.000 Euro für Thermen-Eintritte, Zeltlager, Feiern und Versammlungen. Fast 7.300 Euro macht der Zehn-Prozent-Eigenanteil fürs neue Fahrzeug aus – über 4.000 Euro kostete die Übernahme des alten Fahrzeugs für die Taucher. Paul befürchtet, dass Rücklagen und Einnahmen für die heuer anstehenden vielen finanziellen Belastungen nicht ausreichen werden und hofft auf großzügige Spenden und Zuschüsse.

Zwei Totenbergungen, sechs Vermisstensuchen und drei Rettungen aus Gefahren


2019 war die Reichenhaller Wasserwacht mit ihrer Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) nach dem Dächer-Abschaufeln bei der Schneekatastrophe im Januar bei sechs Vermisstensuchen, drei Rettungen aus Gefahren, zwei Totenbergungen, einem Canyoneinsatz und einer Sachbergung gefordert und musste zwei Triathlon-Veranstaltungen sowie drei weitere Veranstaltungen sanitätsdienstlich absichern. Eisenschink will 2020 mehr mit den anderen BRK-Gemeinschaften und Organisationen wie Feuerwehr und THW üben, um die Zusammenarbeit zu stärken und Synergien bei der Aus- und Fortbildung zu nutzen. 2019 fand schon eine Eisrettungsübung am Höglwörther See mit der Feuerwehr Anger statt, die den dortigen Eisrettungsschlitten der Wasserwacht nutzen kann und soll, da sie aufgrund der kurzen Anfahrt im Notfall viel rascher zur Stelle ist.

60 Kinder und Jugendliche auf vier Bahnen


Am Montag von 17 bis 18 Uhr trainieren im Schnitt 30 Kinder mit fünf Trainern auf mittlerweile vier Bahnen in der Therme, danach von 18 bis 19 Uhr weitere 30 Jugendliche mit vier Trainern. „Die Nachfrage ist so groß, dass aktuell mit Wartezeiten von ein bis zwei Jahren zu rechnen ist“, berichtet Jugendleiterin Julia Wedel. Alle zwei Wochen findet zusätzlich am Freitag eine Nachwuchsausbildung mit Themen aus der Wasserrettung, zum Rettungsschwimmabzeichen und zur Medizin statt, wobei 17 Kinder auch einen speziellen Erste-Hilfe-Kurs absolvierten. Weitere Höhepunkte waren Ausbildungen und eine Müllsammelaktion am Thumsee, ein Ausflug in den Märchenpark Ruhpolding, Basteln vor der Weihnachtsfeier und ein Zeltlager zusammen mit der Ortsgruppe Berchtesgaden am Waginger See. Mit ihrer sehr starken Jugendarbeit ist die Reichenhaller BRK-Wasserwacht auch personell intensiv gefordert. Dickes Lob und Dank gab es für die fleißigen Schwimmtrainer (von links), die beim wöchentlichen Training Montagabend auf mittlerweile vier Bahnen dafür Sorge tragen, dass niemandem etwas passiert und dass aus den schwimmbegeisterten Kindern langfristig die Wasserretter von morgen werden: Günter Eisenschink, Julia Dietz, Alexander Schwarz, Lukas Moltke, Christian Wedel, Barbara Paul, Franziska Kornes, Amelie Dietz und Jugendleiterin Julia Wedel.

BRK-Kreis-Wasserwacht-Chef Rudolf Schierghofer und der Reichenhaller Ortsgruppenvorsitzende Siegfried Hauber (von rechts) zeichneten den Ehrenamtsbeauftragten der BRK-Kreisgeschäftsstelle, Andreas Schneider (Sechster von links) mit der Wasserwacht-Medaille in Silber aus, da er sich seit vielen Jahren weit über seine beruflichen Pflichten hinaus für die Wasserwacht einsetzt. Elf ehrenamtliche Mitglieder wurden für zum Teil jahrzehntelangen aktiven Dienst in der BRK-Wasserwacht geehrt (von links): Günter Eisenschink (Technischer Leiter, 25 Jahre), Julia Wedel (Jugendleiterin, 10), Daniel Bender (5), Christian Eisenschink (25), Christian Hausmann (25), Christian Abel (45), Georg Winkler (45), Monja Moltke (staatliches Ehrenzeichen für 25 Jahre BRK-Dienst), Rainer Moltke (40), Dominique Loshi (5) und Christian Standl (35 Jahre – separates Bild, da er während der Ehrung zu einem Einsatz ausrücken musste).

„Wir sind stolz und froh, dass wir Euch haben!“, lobte Angers stellvertretender Bürgermeister Markus Winkler auch im Namen seiner vor allem durch diverse zeitgleiche Wahlkampftermine verhinderten Kollegen der Nachbargemeinden im Zuständigkeitsbereich der Reichenhaller Wasserwacht. Er dankte den Ehrenamtlichen vor allem für die zusammengerechnet 36 Tage an Wachstunden an den Seen und in den Bädern. Konstantin Krause vom Technischen Hilfswerk (THW), Bad Reichenhalls stellvertretender Polizeichef Harald Kern, der Vorsitzende der Kreiswasserwacht, Rudolf Schierghofer und BRK-Chefarzt Dr. Franz Leipfinger lobten die BRK-Wasserwacht für ihre ehrenamtliche Arbeit und dankten für die gute Zusammenarbeit.

red/Pressemitteilung BRK BGL
Bilder © Leitner BRK BGL
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