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Heimische Rotkreuzler leisten knapp 19.000 ehrenamtliche Stunden im Flüchtlingseinsatz

Reichenhaller BRK-Bereitschaft blickt bei Jahreshauptversammlung auf außergewöhnlich arbeitsreiches Einsatzjahr zurück.

„Der Flüchtlingseinsatz war und ist für das Rote Kreuz die größte Herausforderung seit vielen Jahren, bei dem wir ehrenamtlich an unsere Belastungsgrenzen kamen, aber auch erfahren haben, dass wir alles schaffen, wenn wir nur zusammenhalten“, betonte Bereitschaftsleiter Florian Halter bei der Jahreshauptversammlung der BRK-Bereitschaft in der Einsatzhalle an der Frühlingstraße. Neben dem andauernden Großeinsatz mussten die freiwilligen Sanitäter auch weiterhin ihre regulären Aufgaben erfüllen, bei Sanitätsdiensten für die Sicherheit von Gästen und Teilnehmern sorgen, mit ihrer Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) zu teils sehr belastenden Einsätzen wie dem Großbrand mit sechs toten Männern beim Pfarrerbauern in Schneizlreuth ausrücken und immer wieder den regulären Rettungsdienst und Krankentransport bei erhöhtem Einsatzaufkommen unterstützen. Insgesamt haben die Reichenhaller dabei 12.860 dokumentierte und viele weitere nicht erfasste ehrenamtliche Stunden geleistet.

Der Flüchtlingseinsatz hatte schleichend und klein begonnen: Seit Ende 2015 und dann immer häufiger 2015 wurden die SEG´n der BRK-Bereitschaften von den örtlichen Polizeidienststellen angefordert, um im Landkreis gestrandete Flüchtlinge zu versorgen und zu verpflegen, jedoch nie mehr wie 250 Menschen pro Tag. Im Mai 2015 musste der Landkreis dann den Notfallplan aktivieren und das Rote Kreuz und der Malteser Hilfsdienst (MHD) bauten zwei Turnhallen in Freilassing und Laufen als provisorische Unterkünfte aus und kümmerten sich mit der Feldküche um die Verpflegung von rund 150 Menschen. „So richtig los gings dann am 14. September, einem regnerischen Tag mit einem Rettungsdienst-Einsatz am Freilassinger Bahnhof, wo zahlreiche Flüchtlinge in einem sehr schlechten Gesundheitszustand mit dem Zug ankamen“, erinnert sich Halter.

Die Organisationen und freiwilligen Helfer arbeiteten sofort Hand in Hand zusammen und fanden sehr rasch unkomplizierte Lösungen, wie die ehemalige Möbelhalle an der Sägewerkstraße, wo Schlafplätze für bis zu 2.500 Menschen geschaffen wurden, und in einer provisorischen Sanitätsstation wochenlang täglich rund 250 Menschen behandelt wurden. Mittlerweile ist es dort ruhiger geworden; pro Tag kommen nur noch zwischen 50 und 80 Menschen an, die von der Polizei aus der gesamten Region gebracht werden; das Provisorium hat sich in ein professionelles und gut ausgestattetes medizinisches Zentrum verwandelt und alle Abläufe sind perfekt eingespielt. Kreisbereitschaftsarzt Dr. Rüttger Clasen, Organisator Florian Halter und sein Stellvertreter Christian Bethke haben die Federführung über zahlreiche ehrenamtliche Ärzte und ein Team von rund 60 Rotkreuzlern, die sich den Schichtdienst in der Halle teilen. Mittlerweile wurden so bereits fast 19.000 Stunden von den heimischen Rotkreuzlern aus dem Berchtesgadener Land in der Halle geleistet; hinzu kommen weitere hauptamtliche Stunden, wie für die Besetzung des zusätzlichen Rettungswagens ins Freilassing oder die vielen ehrenamtlichen Stunden bei der Begleitung von Flüchtlingszügen durch ganz Deutschland.

Die medizinische Versorgung, Verpflegung und Betreuung der Flüchtlinge seien laut Halter keine besonderen, organisationsfremden Aufgaben, die von dem abweichen, was das Rote Kreuz sonst leistet, allerdings haben die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Hilfeleistungen die örtlichen Einsatzkräfte immer wieder an ihre Belastungsgrenze gebracht, weshalb die riesige Aufgabe rasch überregional und mit anderen BRK-Gemeinschaften zusammen gemeistert wurde. Wichtig war, dass die BRK-Bereitschaft Bad Reichenhall auch ihren anderen Aufgaben weiter erfüllen konnte: 61 Sanitätsdienste mit rund 2.000 ehrenamtlichen Stunden, die Sozialen Dienste wie Blutspende, Hausnotruf-Hintergrund, Mittelbeschaffung und Behindertenbetreuung mit rund 2.400 Stunden und die Auslandshilfe mit dem Schwerpunkt Ungarn.

Christopher Löffelmann ist Leiter der SEG; sein neuer Stellvertreter und Nachfolger von Matthias Rein ist Bernhard Reiser. Beide zeigten in Bild und Text einen Rückblick ins vergangene, sehr turbulente Einsatzjahr, das die SEG neben der regelmäßigen und dann andauernden Flüchtlingshilfe (75 Prozent) vor allem mit Alarmfahrten bei Gebäudebränden, Verkehrsunfällen und zur Spitzenabdeckung bei erhöhtem Einsatzaufkommen im regulären Rettungsdienst und Krankentransport forderte. Regelmäßig fanden Übungen mit den Nachbar-Bereitschaften und Partner-Organisationen wie den örtlichen Feuerwehren statt; bei größeren Sanitätsdiensten wie dem Mittelalter-Markt in Piding (18 Patienten) oder an der Bobbahn am Königssee (vier Monate) leisteten die Ehrenamtlichen insgesamt rund 2.000 Stunden.

Halter bestellte anschließend Reiser, Löffelmann, Thomas Fritzer und Peter Forstner nach erfolgreich absolviertem Lehrgang zu Gruppenführern. Sie dürfen damit im Einsatzfall die SEG führen. Fritzer hatte sich während der vergangenen Monate auch als Praxis-Anleiter für die neuen Mitglieder bewährt und sie mit viel Engagement Schritt für Schritt in ihre Aufgaben eingeführt.

BRK-Chefarzt Dr. Franz Leipfinger und Kreisbereitschaftsarzt Dr. Rüttger Clasen lobten in ihren Grußworten vor allem Florian Halter für sein außergewöhnliches Talent, mit ganz verschiedenen Leuten gut umzugehen und die BRK-Bereitschaft derart erfolgreich zu führen: „Es ist phänomenal, was ihr geleistet habt! Florian ist ein echter Glücksfall für diese Gemeinschaft!“ Unter Halters Federführung wurde auch die Sanitätsstation in der Sägewerkstraße professionell umgestaltet; sie hat mittlerweile Modellcharakter, wird regelmäßig besichtigt und dient als Vorbild für viele andere in ganz Deutschland. Seine Stellvertreter Sebastian Luderschmidt und Peter Reiser überreichten ihm einen Geschenkkorb.

Für das leibliche Wohl der vielen Gäste bei der Jahreshauptversammlung sorgten Till Schöndorfer und Patrick Walser (Krepfei-Wirt von Anger-Hadermarkt) mit ihrem ehrenamtlichen Team vom Betreuungsdienst, das bereits am frühen Nachmittag begonnen hatte, mit dem Feldkochherd Gulasch, Knödel, feine Pilzsauce und süße Nachspeisen in großen Mengen herzustellen. „Niemand hätte noch vor wenigen Jahren zu glauben gewagt, dass unser Betreuungsdienst jemals so effizient und erfolgreich wie heute arbeiten wird; Till und Patrick sind mit ihrer Gruppe für alle möglichen Einsatzlagen bestens gewappnet!“, lobte SEG-Leiter Löffelmann.

Im Totengedenken erinnerte Florian Halter an den im vergangenen Jahr verstorbenen, sehr verdienten Reichenhaller Rotkreuzler Herbert Kolodzie, seine kurz darauf verstorbene Frau Evi und den ebenfalls verstorbenen ehemaligen Feuerwehrmann Michael Schinko, der das BRK bis zuletzt Tag und Nacht bei Betreuungseinsätzen mit Lieferungen aus seinem Lebensmittelmarkt unterstützt hatte.

Florian Halter ehrte acht langjährige, verdiente Rotkreuzler: Gerhard Thiel (60 Jahre), Gisela Laubscher (40), Hermann Höller (55), Werner Mück (45), Karlheinz Paul (50), Matthias Mader (10), Sophie Ullmann (10) und Angela Gabriel (30).

Florian Halter gratulierte Marie-Luise Stiersdorfer zu ihrem 90. Geburtstag und dankte Stüberl-Wirtin Gisela Laubscher jeweils mit einem Blumenstrauß und lobte Bereitschaftsarzt Dr. Rüttger Clasen für seine vielen Ämter und seinen unermüdlichen Einsatz für die Flüchtlinge und im Fachdienst „Information und Kommunikation“ (IuK).

Über den Flüchtlingseinsatz haben auch einige Krankenpfleger und Sanitäter ihren Spaß an der BRK-Arbeit gefunden und sind der Gemeinschaft als aktive Helfer beigetreten: Tim Schankweiler, Valentina Kapsreiter, Verena Katzer, Detlef Herrmann, Umair Butt und Inge Brüderl.

red/Pressemitteilung BRK BGL
Bilder © Leitner BRK BGL
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