Gefährliche Stoffe treten aus: Feuerwehr und Rotes Kreuz üben in Freilassing für schwierige ABC-Einsätze.
Am Samstag sind in Freilassing am großen Parkplatz neben der Lokwelt zwei Übungen für mehrere Feuerwehren des nördlichen und mittleren Landkreises und das Rote Kreuz simuliert worden, darunter auch die Spezial-Einsatzkräfte des ABC-Zugs. Angenommen wurde, dass ein Auto mit einem Gefahrgut-Laster zusammenstößt, Insassen eingeklemmt werden und gefährliche Stoffe austreten. Interessierte Bürger konnten die Arbeiten aus sicherer Entfernung verfolgen.
Schwerer Verkehrsunfall auf der Landstraße – ein Auto und ein Laster, beladen mit Gefahrgut, sind zusammengestoßen. Im Auto ist eine Person eingeklemmt und schwer verletzt; aus dem Laster läuft Essigsäure aus. Der Trucker und sein Beifahrer sitzen geschockt im Führerhaus. Am Vormittag gegen 10 Uhr stellten sich die Feuerwehren Saaldorf, Weildorf und Laufen mit Unterstützung des ABC-Zugs des Landkreises dem Szenario. Der ABC-Zug setzt sich aus den Feuerwehren Bad Reichenhall, Piding und Freilassing zusammen, die bei entsprechenden Einsatzstichworten von der Integrierten Leitstelle Traunstein mit der jeweiligen Ortsfeuerwehr zusammen alarmiert werden.
Am Nachmittag gegen 14 Uhr mussten die Feuerwehren Ainring und Freilassing ein sehr ähnliches Schadensbild abarbeiten. Als weitere Hilfe für den Einsatzleiter stand die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL) ebenfalls bei beiden Übungen bereit.
Zunächst galt es jeweils die verunfallten Personen aus ihren Fahrzeugen zu retten. Aufgrund des Gefahrstoffaustritts waren diese Rettungsarbeiten nur mit schwerem Atemschutz möglich. So konnten die Laster-Insassen schnell über Leitern gerettet werden, währende sich die Befreiung des eingeklemmten Autofahrers schwieriger gestaltete. Mit Rettungsspreizer und –schere verschafften sich die Feuerwehrkräfte Zugang zum Fahrzeug und konnten den Unfallfahrer anschließend aus dem Fahrzeug retten.
Da nicht auszuschließen war, dass der Autofahrer mit dem Gefahrstoff Essigsäure in Berührung gekommen war, wurde der Verletzte zunächst am Dekontaminationsplatz entkleidet und mit Wasser abgewaschen, ehe er dem Rettungsdienstpersonal des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) übergeben wurde.
Während und vor allem nach der Personenrettung galt es für die Feuerwehr die Lage weiter zu erkunden. So wurden beispielsweise Informationen zum Gefahrgut eingeholt. Neben den in den Einsatzleitfahrzeugen und bei der Unterstützungsgruppe vorgehaltenen Nachschlagewerken kamen weitere wertvolle Informationen von der Einsatzzentrale der Werkfeuerwehr Wacker in Burghausen. Die Werkfeuerwehr steht den öffentlichen Feuerwehren bei Gefahrguteinsätzen regelmäßig im Rahmen des Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystems (TUIS) der chemischen Industrie mit Rat und Tat zur Seite.
Eine weitere große Aufgabe für die eingesetzten Feuerwehren war das Auffangen der auslaufenden Essigsäure, die sich nicht weiter ausbreiten sollte. In der Folge galt es dann die beiden Löcher im Tankwagen fachgerecht abzudichten. Da bei diesen Aufgaben der direkte Kontakt mit dem Gefahrstoff unumgänglich war, arbeiteten die Feuerwehrmänner in speziellen Chemie-Schutzanzügen. Die besondere Herausforderung beim Einsatz dieser Ganzkörper-Schutzanzüge sind die eingeschränkte Sicht, minimierter Bewegungsradius, schlechtes Fingerspitzengefühl und erschwerte Verständigungsmöglichkeiten. Trotz dieser Widrigkeiten gelang es den Einsatzkräften, den Austritt der Essigsäure zu stoppen und die Lage damit zu stabilisieren.
Auch für die hier eingesetzten Feuerwehrkräfte mussten dekontaminiert werden. Dabei wurden die verwendeten Schutzanzüge zunächst grob gereinigt und dann in Säcke verpackt.
Gefahrguteinsätze erfordern neben der eigentlichen Arbeit am Unfall-Lastwagen auch viele Tätigkeiten im Umfeld, wie beispielsweise das Absperren des Gefahrenbereiches, die Sicherstellung des Brandschutzes, Durchführung von Gefahrstoffmessungen und auch die Weitergabe von Informationen an Fachbehörden.
Erstmals wurde bei dieser Übung zu Testzwecken eine Erkundungsdrohne eines privaten Betreibers eingesetzt. Die Drohne fertigte aus sicherer Entfernung Luftbilder an, die für den Einsatzleiter wertvolle Informationen lieferten.
In der Übungsnachbesprechung zeigten sich die Kreisbrandmeister Michael Brandl und Walter Niederbauer - sie hatten die Übung geplant - mit der Arbeit der Einsatzkräfte sehr zufrieden. Sie bedankten sich für die motivierte Mitarbeit bei widrigen Wetterbedingungen. Ihr Dank richtete sich auch an das BRK, das mit jeweils einer Rettungswagen-Besatzung und einem Notarzt an der Übung teilnahm, um die Übergabe von kontaminierten Verletzten zu optimieren. Den insgesamt 180 eingesetzten Einsatzkräften der Feuerwehr zollten auch Kreisbrandrat Josef Kaltner und die beiden Kreisbrandinspektoren Leonhard Schaller und Anton Brandner ihre Anerkennung.
„Was genau passieren wird, wusste im Vorfeld keiner von uns, denn auch bei echten Unfällen stimmen die Angaben im Notruf und das Schadensbild vor Ort manchmal gar nicht überein“, erklärt der Leiter der BRK-Rettungswache Freilassing, Andreas Rautter. Die beiden Notärzte Dr. Michael Eisert und Dr. Dietrich Podehl und mehrere Rettungsassistenten und -sanitäter des Roten Kreuzes nahmen an der Übung teil, da auch die Patientenversorgung bei den sehr seltenen Gefahrgut-Unfällen mit eventuell kontaminierten Verletzten keine Routine und deshalb sehr herausfordernd ist.
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