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Klimabäume und Artenwahl – Reichenhaller Stadtgärtner geben Einblick in ihre Arbeit

Auch in diesem Jahr veranstaltete die Stadtgärtnerei Bad Reichenhall die inzwischen fest etablierte und bewährte alljährliche Informationsrundfahrt mit dem Bund Naturschutz durch die Alpenstadt.

Oberbürgermeister Dr. Christoph Lung, Stadtgartenmeister Haberlander und dessen Stellvertreter Maximilian Holzner begrüßten neben dem Umweltreferenten im Stadtrat Michael Nürbauer auch Dr. Michael Wittmann von der Ortsgruppe Bund Naturschutz sowie Josef Stein, Kreisfachberater für Gartenbau und Landschaftspflege am Landratsamt Berchtesgadener Land.

Der Fokus der rund zweieinhalbstündigen Tour durch die Alpenstadt lag heuer weniger auf den anstehenden Baumfällmaßnahmen, deren Zahl im Vergleich zu den Vorjahren spürbar zurückgegangen ist, sondern vielmehr darauf, das breite Spektrum des Stadtgrüns in all seinen Facetten zu beleuchten.

Besonders thematisiert wurden dabei die Pflanzung sogenannter Klimabäume, Maßnahmen zur Erweiterung und Verbesserung von Baumstandorten, die Wiederbelebung des Projekts „Grünes Klassenzimmer“ sowie die Weiterentwicklung und Aufwertung des Baumlehrpfads im Karlspark. Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit zum fachlichen Austausch und zur gemeinsamen Diskussion über zukünftige Schwerpunkte im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung.

Sturmschäden und Herausforderungen im Bestand


Startpunkt der Rundfahrt war der Hochseilgarten neben dem Nonner Stadion. Stadtgartenmeister Haberlander und dessen Stellvertreter Holzner informierten über die Schäden, die die letzten beiden Stürme im Jahr 2025 verursachten: Der Wind hatte eine hat Schneise durch das Areal gezogen, durch die entstandene baumfreie Zone hat sich die Sonnenbrandbildung besonders bei den Buchen verschärft. Dies wiederum führe zu Rissen und biete damit eine Eintrittspforte für Pilze, was die Bruchgefahr erhöhe, so Haberlander. Es sei zudem damit zu rechnen, dass aufgrund der Veränderung der Windangriffsfläche die Schneisen immer größer werden. Mit der Neupflanzung von drei großen Lärchen und der Förderung des aufkommenden Jungbewuchs wirke die Stadtgärtnerei dieser Entwicklung entgegen, was aber nur bedingt zu einem positiven Ausblick beitragen könne.

Klimabäume mit Bedacht wählen


Am Parkplatz Kirchberger Bahnhof informierten die Stadtgärtner über die Situation nach Abschluss der dortigen Baumaßnahmen. Neben der Erweiterung bestehender Baumstandorte und einer erfolgreichen Umsetzung von Altbäumen wurden vier neue Klimabäume gepflanzt – bewusst wurden dabei Eichen gewählt, die sich für diesen Standort besonders eignen.

Wenige Meter weiter am Nikolaiweg am Stachus berichteten die Stadtgärtner über die kürzlich erfolgten Pflegemaßnahmen der dortigen Platanen und gingen auf die derzeitige Massaria-Situation ein.

Warum nicht jeder vermeintliche „Zukunftsbaum“ für innerstädtische Standorte und Straßenbereiche geeignet ist, erläuterten die Stadtgärtner anschaulich an den Beispielen Blauglockenbaum und Götterbaum. „Fälschlicherweise wird der Blauglockenbaum als Zukunftsbaum genannt, ist innerorts im Straßenbereich jedoch völlig ungeeignet aufgrund seines starken Wurzelwachstums und weil er zudem ein schlecht abschottendes Gehölz ist, d.h. sehr anfällig für Beschädigung und Verwundung. Es handelt sich sowohl beim Blauglockenbaum als auch beim Götterbaum um invasive Baumarten, die in der Schweiz bereits seit 2024 verboten sind“, klärt Haberlander auf. „Es war vorhersehbar, dass diese Baumarten wegen des weitreichenden Wurzelsystems und des daraus resultierenden massiven Belagaufbruches Probleme machen würden. Deshalb ist es auch so wichtig, sich bereits im Vorfeld über die Baumauswahl sorgfältig Gedanken zu machen. Eine vorausschauende Planung erspart langfristig Schäden und kostenintensive Eingriffe. Im letzten Jahr musste bereits ein Baum gegenüber des Hotels Axelmannstein aus diesem Grund gefällt werden“, berichtet der Stadtgartenmeister.

Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern


Weiter ging es in die Wisbacherstraße, wo die Stadtgärtner ihr neues Format der direkten Bürgerinformation vorstellten, um alle Beteiligten direkt vor Ort über geplante Vorhaben aufzuklären. Wie bereits berichtet, hatte die Stadt Bad Reichenhall die Anwohnerinnen und Anwohner der Wisbacherstraße per Brief zu einem öffentlichen Alleebegang eingeladen, der auf sehr großes Interesse stieß. Der persönliche Austausch vor Ort ermögliche Transparenz und fördere das Verständnis für notwendige Maßnahmen.

Aufwertung im Karlspark


Im Anschluss besuchten die Teilnehmer der Rundfahrt den Karlspark und besichtigten das „Grüne Klassenzimmer“, das eine deutliche Aufwertung erfahren hat. Nachdem die Sitzflächen sehr marode waren, wurden sie durch die Stadtgärtner naturnah durch Baumstämme erneuert. Ebenso ertüchtigt wurde auch der Baumlehrpfad im Karlspark. Ein unmittelbar hinter dem Grünen Klassenzimmer befindlicher großer Habitatbaum, auf dem vier verschiedene Pilzarten vorhanden sind, ist unter anderem Teil des Lehrpfades. „Ein ideales Beispiel also, um im Rahmen des Unterrichts und der Umweltbildung einen Habitatbaum zu erklären und veranschaulichen“, befindet Haberlander. Weitere Habitatbäume wollen die Stadtgärtner zudem am Karlspark entlang der Salzburger Straße schaffen. Gemeinsam besichtigte die Gruppe die großen Lindenbäume gegenüber dem Hofwirt Salettl, die nicht mehr vital sind und zudem einen starken Mistelbefall haben. Die Stadtgärtner erläuterten das weitere Vorgehen: Die Linden erhalten einen Kronensicherungsschnitt mit der Schaffung von Habitatbäumen. Damit können sie nicht umfallen und Verkehrsteilnehmer gefährden, schaffen dafür aber neue Lebensräume für Lebewesen.
Erfreuliches gab es in Bezug auf das Ulmenaufkommen zu vermelden: Nach dem großen Ulmensterben konnte die Ulme im Karlspark erfolgreich wiederangesiedelt und der Ulmenaufwuchs effektiv gefördert werden.

Vorausschauend handeln für kommende Generationen


Im Anschluss wurden weitere Baumgruppen im Karlspark besichtigt, die zwar geschädigt sind, aber vorerst erhalten werden. Ein zu enger Baumbestand, Wurzelstockhöhlungen und teilweise Druckzwiesel haben eine Hainbuche und drei Linden in Mitleidenschaft gezogen. Durch baumpflegerische Maßnahmen sei es in vielen Fällen möglich, die Reststandzeit zu verlängern. Dennoch muss man sich die Frage stellen, wie man langfristig mit der Situation umgeht, betont dGrötznerer Stadtgartenmeister: „Um innerhalb eines Zeitfensters von ca. 5 Jahren einen sanften Übergang zu ermöglichen, ist es nötig, spätestens bis 2027 Neupflanzung durchzuführen, um dann den Altbestand entfernen zu können.“ Ein Thema, das dem Stadtgartenmeister besonders am Herzen liegt: Wie Dr. Wittmann vom Bund Naturschutz möchten auch die Stadtgärtner im Hinblick auf die nachfolgenden Generationen das Beste für den Baumbestand erreichen und ein möglichst vitales und stabiles Stadtgrün hinterlassen. Wie genau dies gelingt, darüber scheiden sich die Geister allerdings oftmals, ist sich Haberlander bewusst: „Manchmal ist es sinnvoller, Bäume früher zu entnehmen, rechtzeitig durch geeignetere Bäume zu ersetzen und gegebenenfalls mit Standorterweiterungen für die Zukunft auszurichten, anstatt mit Gewalt alles zu erhalten. Auch wenn es oftmals eine Herausforderung ist, sehe ich es als unsere Aufgabe an, die Bürger durch Information und Aufklärung bei der Entscheidung mitzunehmen. Denn unter Klimaschutz verstehen wir in unserer Alpenstadt, nicht abzuwarten, sondern rechtzeitig und verantwortungsvoll zu reagieren, auch wenn dies nicht immer auf uneingeschränktes Einverständnis stößt.“

Wie wichtig es ist, vorausschauend zu planen und frühzeitig festzustellen, wie lange die Reststandzeit eines Baumes beträgt, hatten die Stadtgärtner bereits bei der Baumschau im vergangenen Jahr am Beispiel einer Kaukasischen Flügelnuss im Karlspark erläutert. Hier wurden ca. 250 Laufmeter Kronensicherung auf 2 Ebenen eingebaut, dennoch hat die Kaukasische Flügelnuss nur ein Jahr später, wenige Tage nach der diesjährigen Informationsrundfahrt, nun das endgültige Ende ihrer Standzeit erreicht. „Solche Beispiele zeigen, wie herausfordernd die Abwägung oftmals sein kann, zu versuchen einen Baum zu erhalten oder auf umfangreiche Baumpflegemaßnahmen zu verzichten und lieber Jungbäume im Umfeld zu pflanzen, sodass der geschädigte Baum dann entfernt werden kann“, erklären die Stadtgärtner.

Oberbürgermeister Dr. Lung betont, dass die städtischen Gärtnerinnen und Gärtner stets sorgfältig prüfen, ob und mit welchen Maßnahmen ein langfristiger Erhalt möglich ist, und Eingriffe auf das notwendige Maß beschränken. Wo Fällungen unvermeidbar sind, erfolgen sie auf Grundlage klarer fachlicher Kriterien. Zugleich werde verantwortungsvoll abgewogen, wenn sich ein weiterer Erhalt als nicht mehr zielführend erweise. „Wir setzen auf Transparenz und Augenmaß“, betont Dr. Lung. „Wo ein Erhalt fachlich sinnvoll und vertretbar ist, schöpfen wir alle Möglichkeiten aus. Wo dies nicht mehr gegeben ist, treffen wir nachvollziehbare Entscheidungen.“

Auch Umweltreferent Nürbauer unterstützt den eingeschlagenen Weg der Stadtgärtner ausdrücklich. Er hob hervor, dass neben der fachlichen Abwägung insbesondere die transparente Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit ein wichtiger Bestandteil der Arbeit sei. „Die Bürgerinnen und Bürger haben ein großes Interesse an unserem Baumbestand, ich werde häufig angerufen und gefragt, das ist sehr erfreulich“, so Michael Nürbauer. „Deshalb legen wir großen Wert darauf, unsere Entscheidungen verständlich zu erläutern und frühzeitig zu informieren. Nur so schaffen wir Akzeptanz und Vertrauen.“

Besonders dankt Nürbauer dem Oberbürgermeister für dessen persönliches Engagement: „Es ist keineswegs selbstverständlich, dass sich der Oberbürgermeister bei den regelmäßigen Baumschauen vor Ort ein eigenes Bild macht. Dieses gemeinsame Vorgehen zeigt, welchen Stellenwert der Erhalt unserer Stadtbäume für alle Beteiligten hat. „Deshalb nehmen wir uns die Zeit, offene Fragen zu klären und gegebenenfalls kritische Punkte offen zu diskutieren.“

In diesem Zusammenhang verwies Kreisfachberater Sepp Stein auf die Bedeutung der Baumschutzverordnung. Dem pflichtete Stadtgartenmeister Haberlander bei: Auch wenn die Baumschutzverordnung für die Stadtgärtner und ihren Kollegen Helmut Weichselmann viele Ortstermine und einen Mehraufwand an Zeit bedeute, habe sie sich sehr gut bewährt, insbesondere als ein geeignetes Instrument in Bezug auf Ersatzbepflanzungen und dafür, den richtigen Baum am richtigen Ort zu pflanzen – für ein stabiles und lebenswertes Stadtgrün, heute und in Zukunft.

Weitere Informationen


Detaillierte Informationen über Art und Umfang sämtlicher Baumarbeiten der Reichenhaller Stadtgärtnerei, die genauen Lagepläne und die einzelnen Ursachen der Schädigungen können auf der Internetseite der Stadt Bad Reichenhall unter dem Link Stadtgrün „https://www.stadt-bad-reichenhall.de/natur-umwelt/stadtgruen Baumprogramm 2026“ entnommen werden.

red/Pressemitteilung Stadt Bad Reichenhall
Bild © Stadt Bad Reichenhall
reichenhall baumrundgang 00

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