Über Monate hinweg wurden alle Infektionsfälle mit unbekanntem Impfstatus der Gruppe der Ungeimpften zugerechnet. Hierdurch ergab sich ein extrem überhöhter Inzidenzwert bei den Ungeimpften.
Seit dem Beginn der Coronavirus-Pandemie dient die Zahl der 7-Tage-Inzidenz als einer der wichtigsten Faktoren zur Festlegung von Maßnahmen im Rahmen der Pandemiebekämpfung. Seit ein größerer Teil der Bevölkerung geimpft ist, werden auch die Inzidenzen aufgeteilt nach Geimpft und Ungeimpft ausgewiesen. Anfang Dezember wurde jedoch bekannt, dass bei der Berechnung der Inzidenzwerte alle Infektionsfälle mit unbekanntem Impfstatus der Gruppe der Ungeimpften zugerechnet wurden, wodurch diese Gruppe logischerweise stark überrepräsentiert war. Nach heftiger Kritik hatte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) nun am 7. Januar 2022 erstmals die Rohdaten für die Inzidenzberechnungen heraus gegeben, die eine massive Falschdarstellung der Inzidenzen zulasten der Ungeimpften und zugunsten der Geimpften zeigt.
Die nun veröffentlichen Zahlen belegen eine erhebliche Diskrepanz zwischen den ausgewiesenen und den tatsächlichen Inzidenzwerten. Bereits Ende August, dem Beginn der Inzidenzunterscheidung Geimpft / Ungeimpft waren die Inzidenzen der Gruppe "Ungeimpft plus Impfstatus unbekannt" deutlich höher, als die Gruppe "Ungeimpft alleine. Mit dem Fortschreiten der vierten Welle im Herbst und Winter 2021 steigerte sich die Abweichung dann immer weiter. Gleichzeitig mit dem Anstieg der Infektionsfälle sanken auch die übermittelten Angaben zum Impfstatus von rund 60% im August bis auf 33% im Dezember, bzw. mit Einbeziehung der Nachmeldungen nach vier Wochen von 86% auf 65%. Dies hatte eine große Gruppe von Infektionsfällen mit unbekanntem Impfstatus zur Folge, die alle der Gruppe der Ungeimpften zugerechnet wurden. Im Ergebnis hatte die Gruppe der Ungeimpften stark überhöhte Inzidenzwerte und gleichzeitig die Gruppe der Geimpften zu niedrige Werte.
Die extremsten Abweichungen gab es im November und Dezember, bei denen die Inzidenzen der Ungeimpften um das 4-5 fache höher dargestellt wurden als sie tatsächlich waren. Auch mit der Einbeziehung der Nachmeldungen nach vier Wochen waren die Werte noch um mehr als das doppelte verfälscht.
Beispielhaft sind hier die Daten vom 17. und 24. November wiedergegeben, dem Zeitraum um den Beschluss der 15. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung.
| Datum | Inzidenz Ungeimpfte | Inzidenz Ungeimpfte mit Nachmeldungen 4 Wochen) | Inzidenz Ungeimpfte plus unbekannter Impfstatus | Inzidenz Ungeimpfte plus unbekannter Impfstatus mit Nachmeldungen 4 Wochen |
|---|---|---|---|---|
| 17. November | 333,8 | 667,3 | 1468,9 | 1305,4 |
| 24. November | 350,6 | 697,2 | 1726,3 | 1480,0 |
| Datum | Inzidenz Geimpfte | Inzidenz Geimpfte mit Nachmeldungen 4 Wochen) |
|---|---|---|
| 17. November | 109,7 | 234,6 |
| 24. November | 112,7 | 248,1 |
Auf Grundlage dieser falschen Zahlen wurden Ungeimpfte insbesondere von Seiten der Politik, aber auch in sozialen Netzwerken zum Sündenbock der Pandemie gemacht, obwohl auch die Geimpften weiterhin einen erheblichen Teil zu den Infektionsfällen beitrugen. Zum Beispiel bezeichnete der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in seiner 13. Regierungserklärung zur Coronalage vom 23. November 2021 die Vierte Welle in Bezug auf die Inzidenzen als eine "Pandemie der Ungeimpften" – "Bei Ungeimpften liegt die 7-Tage-Inzidenz bei weit über 1.000, bei Geimpften bei rund über 100. Man kann also mit voller Berechtigung sagen: Es handelt sich um eine Pandemie der Ungeimpften".
Neben der Schuldsuche bei Ungeimpften, dienten die falschen Zahlen der Politik jedoch auch als Grundlage für weitere Grundrechtseinschränkungen. Die am 23. November erlassene Fünfzehnte Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (15. BayIfSMV) beschneidet hier überwiegend die Rechte der Ungeimpften ("Lockdown für Ungeimpfte") und führt neben Kontaktbeschränkungen auch eine 2G-Regelung (Geimpft, Genesen) im Einzelhandel ein. In der Begründung zur Verordnung (BayMBl. 2021 Nr. 827 vom 24.11.2021) wird dabei explizit auf die Inzidenzen von Geimpften und Ungeimpften verwiesen.
"Das Infektionsgeschehen unterscheidet sich stark zwischen der geimpften und der ungeimpften Bevölkerung. Nach den Daten des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) vom 17. November 2021 beträgt die 7-Tage-Inzidenz der Ungeimpften [...] mehr als das Zehnfache [...] der Geimpften".
Völlig ignoriert wurde unterdessen, wie eine Auswertung der Daten der Luca-App zeigte, dass der Einzelhandel so gut wie keinen Einfluss auf das Infektionsgeschehen hat.
Inzwischen weist das LGL keine unterschiedlichen Daten für Geimpfte und Ungeimpfte mehr aus. Begründet wird dies mit verzögerten und unvollständigen Meldungen vonseiten der Gesundheitsämter.
Auch fordern inzwischen bereits viele Bürger und auch einzelne Politiker, wie etwa der Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP), aufgrund des Datenskandals den Rücktritt von Markus Söder.
Abgesehen von den verfälschten Inzidenzen, finden auch bei anderen Coronazahlen teilweise zweifelhafte Berechnungen statt, die durchwegs zu dramatischeren Zahlen führen. Beispielsweise werden nach wie vor alle Personen zu den Corona-Todesfällen gezählt, die zum Todeszeitpunkt das Virus in sich trugen, unabhängig von der tatsächlichen Todesursache. Nach aktuellen Daten (Stand: Anfang Dezember 2021) des Statistischen Bundesamtes war COVID-19 in 17 Prozent aller Fälle nur eine "Begleiterkrankung".
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