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Rotes Kreuz übt landkreis- und gemeinschaftsübergreifend die Zusammenarbeit bei einem Massenanfall an Verletzten nach einem Flugzeugabsturz

Das Rote Kreuz hat im Sommer bei einer Großübung im Ainringer Ortsteil Bruch die landkreis- und gemeinschaftsübergreifende Zusammenarbeit bei einem Massenanfall an Verletzten nach einem Flugzeugabsturz im Auwald der Saalach geübt. An der Übung nahmen rund 90 ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter des regulären Rettungsdienstes und Krankentransports, der BRK-Bereitschaften, der BRK-Wasserwacht, der Bergwacht im BRK, der Freiwilligen Feuerwehr und des Technischen Hilfswerks (THW) teil. Die Übenden kamen aus den Landkreisen Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf am Inn und Traunstein; ein ähnliches Szenario, allerdings mit einem Massenunfall auf der Autobahn, findet Mitte September bei Obertaufkirchen im Landkreis Mühldorf statt.

„Bei derart großen Schadensereignissen ist es für den optimalen Einsatzablauf besonders wichtig, dass die ersten Kräfte vor Ort sich ein möglichst genaues Lagebild verschaffen und sehr rasch die richtigen Entscheidungen zur weiteren Einsatztaktik und Ordnung des Raums treffen“, erklärt Organisator und Ausbilder Hermann Scherer. Im Prinzip kann es jede Einsatzkraft treffen, die sich durch Zufall gerade nah am Schadensort befindet, denn wo und wann etwas passiert, weiß niemand wirklich im Voraus. Jeder Retter muss deshalb grundsätzlich in der Lage sein, auch ohne einen Arzt nach vorgegebenen Kriterien eine so genannte Vorsichtung durchzuführen, damit nachrückende Rettungsmittel optimal eingesetzt werden können und das gesamte Schadensereignis so effektiv wie möglich abgearbeitet wird. „Würde sich jeder auf den nächsten Patienten stürzen, hätten viele keine Überlebenschance!“, erklärt Scherer.

Dass dabei vieles nicht optimal und glatt läuft, ist beabsichtigt und sorgt für einen besonders hohen Übungswert für alle Beteiligten. Die gewonnenen Erkenntnisse nutzt das Rote Kreuz, um bestehende Schnittstellen zu optimieren, neue Schnittstellen zu schaffen und Probleme zu ermitteln, an die theoretisch vorab sonst niemand denken würde. „Das funktioniert aber nur, wenn wir die Beteiligten bewusst an ihre Grenzen bringen und Abläufe absichtlich schief gehen lassen, da sonst Schwierigkeiten, die im Ernstfall womöglich auftreten, gar nicht simuliert werden könnten und nicht auf unserem Radar wären“, erklärt Scherer. Die Erfahrung zeigt, dass Schadensszenarien, die in einer Übung besonders schlecht abgearbeitet wurden, im Ernstfall von den Kräften aufgrund des hohen Übungswerts außergewöhnlich und unerwartet effektiv bewältigt werden.

„Wenn wirklich etwas Großes passiert, dann meist völlig unerwartet und sehr plötzlich – solche Einsatzlagen werden sich zunächst immer als sehr unübersichtlich und schwer zu bewältigen darstellen – man kann sich auch nur bedingt darauf vorbereiten – deshalb ist es wichtig, dass die Einsatzkräfte einen kühlen Kopf bewahren und ihre Arbeit strukturiert und mit der notwendigen Übungserfahrung angehen, nichts wirklich Relevantes übersehen und sich von den weniger wesentlichen Details nicht drausbringen lassen. Der Faktor Mensch und rasche, rationale Entscheidungen spielen womöglich die größte Rolle, da im ländlichen Raum so oder so in der Chaosphase ein Mangel an Einsatzkräften und Fahrzeugen vorherrschen wird, egal wie gut die ersten Teams arbeiten. Es bringt also nichts, wenn sich die Einsatzkräfte von der vermeintlich nicht zu bewältigenden Lage emotional irritieren lassen und dann keine oder nur verzögert Entscheidungen treffen“, weiß Scherer aus langer Erfahrung.

Beim Flugzeugabsturz erstreckt sich der Schadensraum über eine zunächst nur schwer einzugrenzende und unübersichtliche Fläche im Auwald – es ist unklar, wie gut die Patienten zu erreichen sind, ob womöglich wer in den nahen Fluss gestürzt ist oder im unwegsamen Gelände liegt, weshalb Bergwacht und Wasserwacht mit alarmiert werden; die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rotem Kreuz und THW versuchen, den Raum möglichst sinnvoll zu ordnen und die ohnehin schon vorhandene Infrastruktur zu nutzen: Patientenablage und erste Sichtung finden in Fußreichweite der Tragetrupps in einem nahen Lkw-Carport statt, direkt daran ist auf einer gut mit Fahrzeugen erreichbaren Freifläche ein Behandlungsplatz angegliedert – von dort aus geht es je nach Sichtungskategorie weiter in Kliniken oder in eine nahegelegene Betreuungsstelle, die der Betreuungsdienst zusammen mit dem Kriseninterventionsdienst (KID) für betroffene Unverletzte und Angehörige in einer nahen Schule eingerichtet hat – weit genug entfernt vom Schadensraum, dass sich die Leute mit etwas Abstand und Ruhe beruhigen können.

Die Sanitätseinsatzleitung mit Leitendem Notarzt und Organisatorischem Leiter zeichnet für eine möglichst effektive Versorgung aller Verletzten und Betroffenen verantwortlich und muss deshalb alle beteiligten Organisationen und Abschnittsleiter so gut wie möglich einbeziehen und die gewonnenen Erkenntnisse der Sichtungsteams bewerten und rasch Entscheidungen treffen. Besonders wichtig ist dabei der Informationsfluss, der nur durch eine gute Kommunikation und Dokumentation gewährleistet wird. „Idealerweise sollten immer alle Entscheidungsträger auf demselben Stand sein, niemand aneinander vorbeiarbeiten und jeder im Bild sein, was gerade passiert und geplant ist – wegen des ausgedehnten Schadensraums alles andere als einfach. „Aber nur so ist es möglich, dass die bei einem derart großen Schadensereignis zwangsläufig zunächst immer begrenzten Ressourcen optimal eingesetzt werden, mehr Menschen überleben und die Verletzten und Betroffenen die besten Genesungsaussichten haben“, erklärt Scherer.

Der Betreuungsdienst der BRK-Bereitschaften war mit 15 Einsatzkräften vor Ort und kümmerte sich um die Verpflegung aller Teilnehmer. Das Team für realistische Unfalll- und Notfalldarstellung (RUD) des Jugendrotkreuzes (JRK) schminkte insgesamt 38 Verletzte und Betroffene und setzte das Unglück schauspielerisch in Szene.

red/Pressemitteilung BRK BGL
Bilder © Ziegler BRK BGL
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